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Bremer, Stefan Michael (2008): Forensisch-biomechanische Aspekte des Faustschlags. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

In dieser Studie wurden die forenisch-biomechnaisch Aspekte des Faustschlages untersucht. Die häufigste Konstellation von Tatmittel mit blosser Körperkraft und Verletzungslokalisation stellt der einzelne Faustschlag gegen das Gesicht dar. Mittels biomechanischen Standardverfahren der optische Bewegungsanalyse und der Bodenreaktionskraftmessung wurden dynamische sowie kinematische Parameter analysiert. 22 Probanden unterteilt in eine Gruppe bestehend aus 10 Amateur-Kampfsportlern und einer 12-köpfigen Referenzgruppe wurden anthropometrisch vermessen und mittels Fragebogen nach deren eigenen subjektiven "Wucht"-Einschätzung befragt. Es wurden Faustschläge auf insgesamt drei in Grösse und Masse sowie Erscheinung sich unterscheidende Schlagobjekte in einer Trainings- und einer Aufzeichnungsphase ausgeführt. Mittels einem optischen Bewegungsanalysesystem mit acht Kameras wurden die Schlaggeschwindigkeit der Faust vor Kontakt mit den Schlagobjekten untersucht. Zeitgleich wurden die Bodenreaktionskräfte der Probanden mit Hilfe von zwei grossen Mehrkomponenten-Messplattformen aufgezeichnet und analysiert. Es lässt sich festhalten, dass für zukünftige Untersuchungen von geradlinigen Bewegungen der oberen Extremität auf die Bestimmung der Parameter im Raum aus Vereinfachungsgründen verzichtet werden kann und es suffizient ist, die kinematischen Parameter in Hauptbewegungsrichtung zu erfassen. Es zeigte sich, dass die anthropometrischen Merkmale eines Schlagenden dessen Faustschlag nicht relevant beeinflussen, dagegen sind Schlagtechnik und Erfahrung entscheidende Einflussfaktoren. Seitens der subjektiven "Wucht"-Einschätzung eines Schlagenden ist in Kenntnis dieser Studie keine Aussagekraft zuverzeichnen. Hierbei ist anzumerken, dass die Wahrnehmung der Schlagintensität auch bei erfahrenen Kampfsportlern nicht im Einklang mit den objektiven hier untersuchten Schlagparametern steht. Es lässt sich desweiteren postulieren, dass Menschen ohne spezifische Erfahrung mit Schlagausführungen beim Schlagen höhere Faustgeschwindigkeiten erreichen, wohingegen erfahrene Schläger mit konstanter Geschwindigkeit unterhalb der maximal möglichen schlagen. Betrachtet man indes die Bodenreaktionkraft, liegen die hier gemessenen Werte der Erfahrenen weit höher als die der Unerfahrenen. Hinzu kommt, dass die Bodenreaktionskraft gleichermassen wie die Schlagkraft abhängig von dem Erfahrungslevel des Schlagenden ist.