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Wunderle, Ingrid (2002): Okuläre Veränderungen bei kutaner und mukokutaner Leishmaniose Untersuchungen in Paraguay. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Bisher wurden lediglich einzelne Fälle veröffentlicht, in denen über okuläre Veränderungen bei Patienten mit kutaner und mukokutaner Leishmaniose berichtet wurde. Diese betrafen die vorderen Augenabschnitte und Adnexe, wobei Blepharitis, Liddeformationen, Konjunktivitis und Keratitis die am häufigsten beschriebenen Veränderungen waren. Von der viszeralen Leishmaniose (Kala-Azar) wußte man aus großangelegten Studien aus China [68,69] sowie aus Einzelberichten [47,54,58,65,83], dass sie in großer Regelmäßigkeit Veränderungen auch am Augenhintergrund hervorruft, nämlich insbesondere retinale Blutungen und anteriore Uveitis. Die vorliegende Arbeit sollte die Frage klären, ob sich bei der kutanen und mukokutanen Leishmaniose ebenso Veränderungen des Augenhintergrundes feststellen lassen und inwieweit bereits beschriebene Veränderungen der vorderen Augenabschnitte und Adnexe von epidemiologischer Relevanz sind. In einem fünfmonatigen Zeitraum wurden in Paraguay 55 Patienten ophthalmologisch untersucht. Die Untersuchung erfolgte größtenteils in den Endemiegebieten Paraguays. Desweiteren untersuchten wir vor Ort 39 nicht-infizierte Kontrollpersonen. Dies ermöglichte einen direkten Vergleich beider Gruppen, da sie gleiche äußere soziale und klimatische Bedingungen aufwiesen. Die Diagnose bzw. deren Ausschluß stellten wir klinisch, mit Hilfe des Intrakutantests nach Montenegro, mit serologischen Methoden bzw. durch Erregernachweis. Die Ergebnisse zeigen, dass zum einen entzündliche Veränderungen an vorderen Augenabschnitten sowie Adnexen weitaus häufiger in der Patientengruppe als im Kontrollkollektiv vorkommen. Andererseits finden sich die gleichen Veränderungen gehäuft bei den Patienten, welche noch aktive Läsionen aufweisen, im Vergleich zu jenen, deren Läsionen bereits vernarbt sind. Blepharitis und korneale Stromaveränderungen in Form weißlicher Eintrübungen finden sich nach dem χ 2 -Test statistisch signifikant gehäuft bei den Patienten mit aktiven Läsionen im Vergleich mit der Kontrollgruppe (p<0,05), ebenso konjunktivale Injektion (p<0,025). Dies weist darauf hin, dass die Leishmaniose hierbei als ursächlicher Faktor in Betracht zu ziehen ist. Am Augenhintergrund fanden sich in der Patientengruppe gehäuft unspezifische Veränderungen auf der Ebene des retinalen Pigmentepithels in Form von retinalen Pigmentepitheldefekten. Diese können als post-entzündliche oder immunologische Veränderungen nach einer Infektion mit Leishmania spp. gedeutet werden. Sie sind rein morphologischer Natur und haben keinerlei Auswirkungen auf den Visus. Es ergaben sich an der Netzhaut keine weiteren Auffälligkeiten, die ursächlich mit der Leishmaniose in Zusammenhang zu bringen wären. Es fanden sich keinerlei Hinweise darauf, dass die Lokalisation der Läsionen Einfluß auf die Ausbildung okulärer Veränderungen hat. Dies läßt sich durch hämatogene und lymphogene Aussaat der Erreger im Organismus erklären, durch Autoinokulation, und im Falle mukokutaner Läsionen ebenso durch kontinuierliche Ausbreitung aus dem Nasopharynx über die Tränenwege zum Auge. Ebensowenig scheint es von Bedeutung zu sein, ob die Läsionen kutan und/oder mukokutan sind. Somit unterscheidet sich das okuläre Bild der kutanen und mukokutanen Leishmaniose grundlegend von dem der viszeralen Leishmaniose (Kala-Azar). Die Untersuchung weiterer Patienten mit kutaner und mukokutaner Leishmaniose wäre sicherlich wünschenswert, um durch eine größere Fallzahl die Untersuchungen weiter zu vertiefen.