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Kirr, Ruediger (2005): Pro- und Retrospektive Studie über Verletzungen und Überlastungssyndrome beim Hockeysport. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Einleitung: Mit unserer vorliegenden Arbeit wollen wir eine Analytik über Verletzungen und Überlastungssyndrome beim Hockeysport unter besonderer Berücksichtigung der Spieloberfläche Kunstrasenplatz durchführen, um Verletzungsschwerpunkte in dieser Sportart herauszuarbeiten und die sich daraus ergebenen Möglichkeiten der Prävention aufzuzeigen. Methodik: Insgesamt konnten wir die Verletzungen von 167 Hockeyspieler /-innen aus verschiedenen Spielklassen (1. Bundesliga bis Oberliga) sowohl in einer retro-, als auch in einer über drei Jahre (Spielsaison 2000-2003) dauernde prospektive Studie untersuchen. Die Verletzungen wurden alle in von uns ausgearbeiteten Fragebögen erfasst, wobei ein Schwerpunkt der Arbeit auf die Überlastungssyndrome beim Hockeysport abzielte. Wir haben die Verletzungen von insgesamt 46 Hockeyspielern, die fast ausschließlich auf Naturrasen trainieren bzw. spielen den Verletzungen von 121 Spielern, die fast nur auf Vollkunstrasenplätzen spielen, gegenübergestellt. Zusätzlich haben wir bei der Auswertung der Ergebnisse statistische Tests angewendet. Ergebnisse: Für die Ausarbeitung der Ergebnisse standen uns 1362 retrospektiv gegenüber 165 prospektiv erhobene Verletzungen zur Verfügung. Mit unserer Arbeit konnten wir in beiden Studien zeigen, dass fast zwei Drittel aller Verletzungen auf die untere Extremität mit besonderer Belastung für das Knie- und Sprunggelenk entfallen. Die übrigen Körperregionen wie Kopf, obere Extremität und Rumpf sind mit Anteilen bis 15 % aller Verletzungen nur gering vertreten. Häufigste Verletzungen in beiden Studien sind Verletzungen des Muskel-Sehnen-Apparates bzw. Prellungen, die zusammen einen Anteil über 50 % der Verletzungen bilden, es folgen die Kapsel-Band-Verletzungen, Hautverletzungen und Frakturen. Hinsichtlich der Spieloberfläche konnten wir feststellen, dass nach Zweikämpfen und Verletzungen durch den Hockeyschläger auf Kunstrasen die Überbelastung die dritthäufigste Verletzungsursache dar stellen, wohingegen auf Naturrasen die Stürze auf dem dritten Rang stehen. Daneben treten Muskel-Sehnen-Verletzungen auf Kunstrasen 1,6-fach höher auf als im Vergleich zu Naturrasen. Weiterhin konnten wir in den prospektiven Ergebnissen festhalten, dass eine Verletzungsabhängigkeit hinsichtlich der Spielposition sowie dem Wettkampfspiel gegenüber dem Training besteht. Bei den statistischen Auswertungen zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen der Spielliga 1. Bundesliga und den Verletzungen, die durch eine Überbelastung am Hockeyspieler verursacht worden ist, ebenso besteht ein signifikanter Unterschied in der Verletzungshäufigkeit zwischen der Spielposition Mittelfeld und der Spieloberfläche. Schlussfolgerung: Der Hockeysport erfreut sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit und nahezu alle Vereine spielen auf Kunstrasenplätzen. Durch die immer stetige Weiterentwicklung der Kunstrasenplätze wird das Hockeyspiel immer schneller und erhöht somit das Unfallrisiko des Hockeyspielers, nahe unbekannt waren die Langzeitauswirkungen und Belastungen auf den jeweiligen Sportler. Wegen den zunehmenden Überlastungssyndromen auf Kunstrasenplätzen ist aus unserer Sicht die Trainingsgestaltung sehr wichtig, ebenso auch die die Ausübung eines Ausgleichssports. Auch die Regelverschärfungen der letzten Jahre haben dazu geführt, dass die Verletzungen reduziert werden konnten. Präventive Maßnahmen durch ein speziell ausgearbeitetes Trainingskonzept, wie es bereits in verschiedenen Sportarten wie Fußball oder Handball angewendet wird, könnten vielleicht zu einer weiteren Reduzierung der Verletzungen führen. Insgesamt ist Hockey ein relativ verletzungsarmer Mannschaftssport im Gegensatz zu Fußball, Handball oder Basketball.