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Doerr, Oliver (2005): Klinische Ergebnisse nach operativer Therapie von ossären Bankart-Läsionen bzw. Glenoidfrakturen. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Das Ziel der Studie ist die Erfassung und Darstellung langfristiger Er-gebnisse offener Schulterstabilisierungen bei Skapulafrakturen der Ty-pen D1 bis D3 nach Habermeyer. Zu beurteilen waren die Schultersta-bilität und -funktion, die Schmerzfreiheit im Alltag, das Wiedererlan-gen der Arbeits- bzw. Sportfähigkeit sowie der Versorgungsverlauf. Untersucht wurden 61 Patienten, 47 Männer und 14 Frauen. Das Pati-entenalter lag zum Zeitpunkt des Traumas zwischen 15 und 76 Jahren. Die dominante Seite war in 30 Fällen (50 %) verletzt. Die durchschnitt-liche stationäre Behandlungsdauer betrug 7 Tage, die mittlere Dauer der Arbeitsunfähigkeit war 11 Wochen. Die Zeitspanne zwischen Ope-ration und Nachuntersuchung reichte von 2 bis zu 10 Jahren. Die Bewertung beruht auf den Scores nach Kohn, Rowe und Zarins sowie Constant und auf 2 eigens für die Studie entwickelten Untersu-chungsbögen. Dargestellt wird einmal das Gesamtergebnis für jeden Untersuchungsparameter. Zum anderen erfolgt eine Auswertung unter Berücksichtigung des Versorgungszeitpunktes nach dem Trauma: Gruppe 3T, Versorgung zwischen dem 1. und 3. Tag, Gruppe 14T, Versorgung zwischen dem 4. und 14. Tag, Gruppe 3M, Versorgung zwischen dem 15. Tag und dem 3. Monat sowie Gruppe 3M<, Versor-gung später als 3 Monate. Bei der altersgruppenabhängigen Auswer-tung werden die Patienten bis zum 30. Lebensjahr in die Altersklasse 1, zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr in die Altersklasse 2 und über dem 60. Lebensjahr in die Altersklasse 3 eingeordnet. Die Score-Mittelwerte für die Versorgung der D1- und D2-Frakturen zeigen gute bis sehr gute Ergebnisse. Die beiden D3-Frakturen erzielen ein gutes und ein schlechtes Ergebnis. Die größten Einschränkungen im Bewegungsumfang betragen bei der passiven bzw. aktiven tiefen Außenrotation 20 % bzw. 24 %. Alle anderen Bewegungsarten unter-liegen wesentlich geringeren Einschränkungen. Die sportliche Aktivität und das Leistungsniveau nehmen ab. 18 Patienten klagen über Nacht-, Bewegungs- und/oder Ruheschmerzen. Auf Schmerzprovokationstests sprechen 24 Patienten an. Etwa 20 % der Patienten weisen eine Fehl-funktion bzw. eine Funktionsminderung der Rotatorenmanschette und Schulterinstabilitäten auf. Die in Abhängigkeit vom Versorgungszeitpunkt erreichten Scorewerte liegen im sehr guten bis guten Bereich; lediglich die Versorgungsgrup-pe 3M zeigt nur ein befriedigendes Resultat. Die mittlere Einschrän-kung des Bewegungsumfangs ist bei allen aktiven und passiven Bewe-gungsarten in der Gruppe 3T mit maximal 7 % am geringsten und steigt bis auf 38 % für tiefe Außenrotationen in der Gruppe 3M an. Die sportliche Aktivität und Leistungsfähigkeit nehmen insgesamt ab. Über Nacht-, Bewegungs- und/oder Ruheschmerz klagen in der Gruppe 3M fast 60 % der Patienten. In den übrigen Gruppen sind es weniger als 20 %. Auf Schmerzprovokationen sprechen 33 % bis 44 % der Patien-ten je nach Gruppe an. Über Fehlfunktionen bzw. Funktionsminderun-gen der Rotatorenmanschette klagen in der Gruppe 3T 40 % der Pati-enten. Dieser Anteil fällt bis 13 % in der Gruppe 3M<. Patienten mit Schulterinstabilitäten treten in der Gruppe 3T nicht auf. Ihre Anzahl steigt gleichmäßig auf 31 % in Gruppe 3M< an. Der mittlere stationäre Aufenthalt liegt zwischen 6 und 8 Tagen. Die mittlere Arbeitsunfähig-keit beträgt in den Gruppen 3T bzw. 14T 6 bzw. 8 Tage. Sie wächst in der Gruppe 3M auf 19 Wochen an und fällt für 3M< wieder auf 12 Wochen ab. Mit steigender Patientenaltersklasse nimmt für jeden Score die mittlere Punktzahl ab, z.B. beim Constant-Score von sehr gut in Klasse 1 auf befriedigend in Klasse 3. Die Beeinträchtigungen im Bewegungsum-fang erhöhen sich von der Klasse 1 zur Klasse 3 hin, z.B. bei der Ab-duktion von 8 % auf 22 %. Eine verringerte sportliche Aktivität und ein geringeres Leistungsniveau finden sich nur in den Altersklassen 1 und 2. Der Anteil der Patienten mit subjektiv empfundenen Schmerzen steigt mit zunehmender Altersklasse von 23 % auf 38 % an. Es kommt zu einer Zunahme der Rotatorenmanschetteninsuffizienzen von 10 % in Klasse 1 auf 38 % in Klasse 3. Der stationäre Aufenthalt steigt mit der Altersklasse von 4 über 7 auf 13 Tage. In der Klasse 1 beträgt die Arbeitsunfähigkeit 14 Wochen und 9 Wochen in der Klasse 2. Alle Pa-tienten der Klasse 3 waren bereits berentet. Ein Untersuchungszeitraum von 10 Jahren stellt eine ausreichend große Fallzahl sicher. Die Zeitspanne zwischen Operation und Nachuntersu-chung beträgt minimal 2 Jahre. Somit ist ein Abschluss des Heilprozes-ses gewährleistet. Mit Ausnahme von Spätarthrosen können weitere Komplikationen oder Rezidive ausgeschlossen werden. Das schlechte Abschneiden der Gruppe 3M erklärt sich durch einen hohen Anteil an schweren Begleitverletzungen und daraus resultierenden Komplikatio-nen, durch überdurchschnittlich häufige Verletzung der dominanten Seite (75 %). Die Abnahme der Schulterfunktion mit steigender Al-tersklasse hat ihre Ursache darin, dass häufig Rotatorenmanschettendefekte und insuffizienzen infolge degenerativer Veränderungen vor-bestehen. Die Studie zeigt, dass mit der operativen Versorgung ossärer Bankart-Läsionen bzw. Glenoidfrakturen gute Ergebnisse erzielt werden. Aller-dings bedarf es in vielen Fällen einer großen Ausdauer und intensiven Bemühungen bei den krankengymnastischen Übungsbehandlungen, um die alte Funktion der betroffenen Schulter wiederherzustellen bzw. ein annähernd gutes Resultat wie vor dem Trauma zu erzielen.