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Brosi, Nicola (2004): Untersuchung zur Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen in verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Rund 39 % aller Frauen werden mindestens einmal in ihrem Leben Opfer sexueller Gewalt. Wenn der Arz es versäumt, die Patientin auf mögliche sexuelle Gewalterfahrung in der Anamnese anzusprechen und damit einen möglichen Auslöser ihrer Beschwerden herauszufinden, kann die Patientin nicht effektiv behandelt werden. Sowohl das Versäumnis von ÄrzteInnen, sexuelle Gewalterfahrungen in Betracht zu ziehen, als auch das Schweigen der Patientin über die gemachte Erfahrung kann von einer relativ hohen Vergewaltigungsmythenakzeptanz (VMA) herrühren. Deshalb ist VMA für die Frauenheilkunde hoch relevant. Die vorliegende Studie untersucht VMA in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Zur Erhebung der Daten wurde Bohners 20-item Vergewaltigungsmythenakzeptanzskala (VMAS) verwendet. Der Fragebogen enthält unter anderem Aussagen zum Thema Vergewaltigung - sogenannte Vergewaltigungsmythen (VM) - wie „Die meisten Frauen, die behaupten, sie seien von einem Bekannten vergewaltigt worden, haben vermutlich zuerst eingewilligt und es sich nachher anders überlegt“. Insgesamt konnten die Daten von 818 Befragten mit folgender Unterteilung ausgewertet werden: „Geschlecht“, „Beruf“, „Medizinische-Berufe-Ausübende“ und „Alter“. Folgende Hypothesen wurden untersucht: 1) Männer stimmen VM in höherem Maße zu als Frauen. 2) Befragte mit höherem Berufs- und Bildungsstatus weisen eine geringere VMA auf als Befragte mit niedrigerem Berufs- und Bildungsstatus. 3) Zwischen den einzelnen medizinischen Berufen bestehen Unterschiede in der VMA. 4) Ältere Menschen weisen eine höhere VMA auf als jüngere. Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie bleibt festzustellen, dass VM weit verbreitet sind und Männer stärker an sie glauben als Frauen. Um den Umgang mit Opfern von sexueller Gewalt in der Frauenheilkunde zu verbessern, wäre es wünschenswert, Ärzte, Hebammen und Pflegepersonal über die Ursachen und Folgen sexueller Gewalt aufzuklären und im Umgang mit Opfern zu schulen. Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe allerdings besteht darin, Gewalt gegen Frauen weder als Kavaliersdelikt zu bewerten noch Frauen eine Mitschuld zuzuschreiben.