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Dagge, Alexander (2004): Hydrocortison in Stressdosierung, traumatische Erinnerungen und Posttraumatische Belastungsstörung: Eine randomisierte Studie an herzchirurgischen Patienten. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Background: Traumatic experiences associated with cardiac surgery (CS) can result in traumatic memories and posttraumatic stress disorder (PTSD). Because it is known that subjects who develop PTSD often show sustained reductions in circulating cortisol concentrations, we performed a prospective, randomized study to examine whether exogenously administered stress doses of hydrocortisone during the perioperative period of CS reduces the long-term incidence of chronic stress and PTSD symptoms. Methods: Patients (n=91) were prospectively randomized to receive either stress doses of hydrocortisone or standard treatment during the perioperative period of CS. Of 48 available patients at 6 months after CS, 26 had received stress doses of hydrocortisone and 22 standard treatment. Traumatic memories and PTSD symptoms were diagnosed with previously validated questionnaires. Results: As compared with patients after standard therapy, patients from the hydrocortisone group had significantly lower chronic stress symptom scores (p<.05). There was no significant difference regarding the number or type of traumatic memories between the hydrocortisone and the standard treatment groups. Conclusions: Stress doses of hydrocortisone in patients undergoing CS are associated with a lower intensity of chronic stress and PTSD symptoms at 6 months after CS.

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschreibt eine prospektiv - randomisierte Untersuchung zur Prophylaxe chronischer Stresssymptome bei Patienten nach herzchirurgischen Eingriffen durch die perioperative Gabe von Hydrocortison in Stressdosierung. Bei der Planung der Untersuchung wurde davon ausgegangen, dass Patienten mit manifesten chronischen Stresserkrankungen (etwa der Posttraumatischen Belastungsstörung) häufig eine Tendenz zu erniedrigten Serumcortisol- konzentrationen aufweisen. Die zentrale Hypothese der Untersuchung war somit, dass erhöhte Serumcortisolwerte, während der akuten Stressexposition eines herzchirurgischen Eingriffs, die Entwicklung chronischer Stresssymptome im Langzeitverlauf nach dem Eingriff zu verhindern vermögen. In die Studie wurden initial 91 herzchirurgische Patienten eingeschlossen, von denen 48 Hydrocortison (Hydrocortisongruppe) erhielten und 43 einer Standardtherapie (Kontrollgruppe) zugeführt wurden. Patienten der Interventionsgruppe erhielten 100 mg Hydrocortison i.v. präoperativ, dann 10 mg/h für die ersten 24 h postoperativ, 5 mg/h für die zweiten 24 h postoperativ, 3 x 20mg i.v. für die dritten 24 h postoperativ und 3 x 10mg i.v. für die vierten 24 h postoperativ. Diese Dosis wurde gewählt, weil sie initial in etwa der Sekretionsrate der Nebennierenrinde unter maximaler Stimulation entspricht. Zum follow-up Zeitpunkt nach 6 Monaten konnten 48 Patienten (22 Patienten der Kontrollgruppe und 26 Patienten der Hydrocortisongruppe) kontaktiert und bezüglich traumatischer Erinnerungen an die perioperative Phase des herzchirurgischen Eingriffs, der Inzidenz und Intensität chronischer Stresssymptome und ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität untersucht werden. Patienten der Hydrocortisongruppe zeigten zum Erhebungszeitpunkt eine statistisch signifikant niedrigere Intensität chronischer Stresssymptome und einen Trend zu einer besseren gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Bezüglich der Zahl traumatischer Erinnerungen an die perioperative Phase des herzchirurgischen Eingriffs, gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Daraus lässt sich schließen, dass die perioperative Gabe von Hydrocortison in Stressdosierung zu einer Verbesserung der Ergebnisqualität herzchirurgischer Eingriffe führen könnte. Dieser Ansatz sollte an Hand größerer Patientenkollektive überprüft werden.