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Englberger-Schmutz, Bernadette (2004): Eltern-Objektrepräsentanzen psychiatrischer Patienten im jungen Erwachsenenalter: Empirische Vergleichsstudie an akut psychotisch Erkrankten und seelisch gesunden jungen Erwachsenen. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Die Selbst- und Objektrepräsentanzen werden als fundamentale Determinanten der Persönlichkeit eines Menschen betrachtet. Es wird angenommen, dass die kindliche Beziehung mit der ersten Bezugsperson, in der Regel die Eltern, eine kritische Bedeutung für die Bildung von internalisierten Selbst- und Objektrepräsentanzen (3) hat. Bei extrem unterschiedlichen Persönlichkeiten müssten demzufolge die Objektrepräsentanzen, v.a. der Eltern, strukturell, affektiv und inhaltsmäßig verschieden sein (3). Die Strukturen der Objektrepräsentanzen reaktivieren sich im täglichen Miteinander, so dass sie durch geeignete Methoden abrufbar erscheinen. Damit wird ein Vergleich der Objektrepräsentanzen zwischen Individuen im Hinblick auf Unterschiede, deren Einfluss auf die Persönlichkeit und etwaige Störungen bis hin zu Psychopathologie möglich. Von diesen Überlegungen ausgehend, ergibt sich für diese Arbeit folgende Problemstellung: Inwieweit kann eine entsprechende Konstellation der Objektrepräsentanzen, insbesondere der Eltern, das individuelle Risiko für eine Psychopathologie erhöhen oder damit in Zusammenhang stehen? Unter Berücksichtigung der Literatur zu diesem Themenkomplex erscheinen nachfolgende Fragen von Bedeutung: Gibt es einen Unterschied in den Konstellationen der Elternrepräsentanzen zwischen akut psychotischen Patienten und Gesunden im jungen Erwachsenenalter? Sind bestimmte Konstellationen der Elternrepräsentanzen assoziiert mit gewissen sozialen Lebensbedingungen? Lässt sich allein von der Konstellation der Elternrepräsentanz oder gerade durch Hinzunahme soziodemographischer Informationen ein erhöhtes Risiko für Psychopathologie ableiten? Inwiefern lassen sich die Ergebnisse dieser Untersuchung von denen Blatts et al. (9) unterscheiden oder bestätigen? Gibt es ferner in der aktuellen Literatur eine Übereinstimmung mit den Ergebnissen? -121- Methodisch wurde so vorgegangen, dass von 51 akut psychotischen Patienten während eines stationären Aufenthaltes und von 121 gesunden Probanden im Alter von 18-26 Jahren spontane Elternbeschreibungen erfasst und anhand der Parental Rating Scale (PRS) von Blatt et al. (8) ausgewertet wurden. Ferner wurden soziodemographische Daten bei Patienten und Probanden nach Kapfhammer (11) erhoben. Aus den hiervon gewonnenen Rohdaten wurden mit diversen statistischen Verfahren (Mittelwerte, prozentuale Verteilung, Varianzanalysen, Korrelationen, Logistische Regressionsanalyse, Faktorenanalyse) folgende Ergebnisse ermittelt: Es gibt Unterschiede der Elternrepräsentanzen zwischen akut psychiatrisch Erkrankten und Gesunden im jungen Erwachsenenalter. Durchwegs befinden sich die Patienten auf einem tieferen Bewertungsniveau, deren Eltern sind nach S.Blatts Faktorenvergleich hochsignifikant weniger „Ehrgeizig“, nach den eigenen Faktoren weniger engagiert bezüglich „Sorge“, „Bestrebt“ und „Ehrgeizig“. Die Hinzunahme soziodemographischer Informationen erscheint für eine Risikoabschätzung hinsichtlich der Entwicklung von Psychopathologie hilfreich, ist aber laut multimetrischem Vorhersagemodell anderen Merkmalen untergeordnet. Dieses besagt, dass allein anhand der Konstellation der Elternrepräsentanzen v.a. mittels der Merkmale Intellektuell, Aburteilend, sowie Ehrgeizig, Strafend und Ambivalenz, eine Vorhersage darüber getroffen werden kann, ob diese von einem gesunden oder akut psychiatrisch erkrankten, jungen Erwachsenen stammen. Diese Ergebnisse finden z.T. eine Bestätigung in der Literatur. Die Frage, welche Konstellation der Elternrepräsentanz mit welcher bestimmten Form von Psychopathologie einhergeht, kann auch mit den vorliegenden Daten (zu geringer Datensatz) nicht beantwortet werden. Nachdem neuere Studienergebnisse auf ein mögliches psychisches „Nachreifen“ durch entsprechende Psychotherapie bei psychiatrischen Patienten hinweisen und damit eine Verbesserung der Selbst- und Objektwahrnehmung der Eltern einhergeht, könnte die PRS zukünftig als Messinstrument zunächst zur Unterscheidung von Gesund/Nicht-Gesund, v.a. aber zur Verlaufskontrolle hinsichtlich der Effektivität einer Psychotherapie, sowie zur routinemäßigen Verlaufskontrolle bei psychiatrisch Erkrankten, um etwaigen Rückfällen oder Chronifizierungen rechtzeitig begegnen zu können, dienen.