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Hamm, Selma Anna (2004): Integration der Lebensqualitätserfassung in den Versorgungsprozess: Ergebnisse einer Studie an Tumorpatienten mit Bestrahlung im Bauch-Becken-Bereich. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

108 of 421 patients undergoing radiotherapy for malignancies of abdominal and/or pelvic origin participated in this study about quality of life and its changes over time. METHODS: Patients were asked to answer a battery of questionnaires which included the FACT-G, SDS, SSS, FKV, FBK and FLZ combined with questions about their living situation, radiotherapy side effects and need for additional support. Points in time were the first week of radiation therapy (T1), the end of therapy (T2), six weeks (T3) and six months (T4) after radiation. RESULTS: Participants are younger, less depressed, have a better overall performance status and require less additional support than patients refusing or dropping out of the study. Significant changes show in some scores and subscores as there are the physical and overall qol and the relationship with the doctors (FACT-G), physical, social and overall distress (FBK), active coping-style (FKV) and satisfaction with health status (FLZ). Patients prefer asking for information and speaking with their doctors. One third tends to deny to profit from psychotherapeutic interventions. Factor analysis shows six main domains influencing quality of life : social support, physical and social distress, emotional distress, financial satisfaction, social satisfaction and denying coping strategies. DISCUSSION: Participants belong to a well selectioned group with good physical and psychosocial resources. They require nevertheless additional support and admit in most of the cases to profit of talks with psychologists. It has to be supposed that non-participating patients are even more in need of such help. Cluster analysis supposes that desire for psychological support is specific for distressed and dissatisfied patients. Further evaluation of the economic benefits of individual psycho-oncologic prevention is needed. A short scoring questionnaire using six main items of qol should help physicians to prevue the patients need and aptity for psycho-oncologic interventions as for example individual psychotherapy, group therapy and support of the family and medical staff.

Abstract

ZUSAMMENFASSUNG: Die Longitudinalstudie der Klinik für Strahlentherapie und Radioon-kologie des Münchener Klinikums Großhadern erforscht seit November 1997 Lebensqualität und psychosozialen Betreuungsbedarf radioonkologischer Patienten. Die vorliegende Arbeit basiert auf der sechsmonatigen kontinuierlichen Studienteilnahme von 108 Patienten mit Bestrahlung im Bereich von Bauch und Becken. METHODIK: Medizinische Daten entstammen den Patientenakten und Strahlenthera-pieberichten. Ausschlusskriterien sind Minderjährigkeit, Sprachprobleme, Vorbestrahlung, kognitive Einschränkungen, ein Karnofsky-Index < 30% und die Ablehnung der Teilnahme. Eine Auswahl standardisierter und validierter Psychometrika erfasst zu definierten Zeitpunkten im Therapieverlauf [Beginn der Bestrahlung (T1), Ende der Therapie (T2), sechs Wochen (T3) und sechs Monate (T4) danach] wichtige Aspekte der Lebensqualität Tumorkranker: soziodemographische Merkmale (LS), individuellen Betreuungsbedarf (BB), Belastung(FBK), Lebenszufriedenheit(FLZ), Krankheitsverarbeitung (FKV), allgemeine Lebenqualität(FACT-G mit diagnosespezifischen Zusatzmodulen für Prostata- bzw. kolorektale Karzinome), Social Support(SSS) und Depression (SDS). Sechs Wochen sowie sechs Monate nach Ende der Radiotherapie ergänzt ein Bogen zu strahlenspezifischen Nebenwirkungen (NW) die Befragung. Die Auswertung erfolgt mit dem Statistik-Programm SPSS 10.0. STICHPROBE: 71,3 % der Teilnehmer sind Männer. Das Durchschnittsalter liegt bei 61,19 Jahren (SD 14,66; Median 64), der mittlere Karnofsky-Index beträgt zu Thera-piebeginn 90,09 % (SD 11,4; Median 90). 69 Patienten (64,5 %) werden im Rahmen eines stationären Aufenthalts bestrahlt, 38 Teilnehmer (35,2 %) erhalten eine kombi-nierte Radiochemotherapie. Etwa die Hälfte der Patienten hat mehr als eine therapie-bedürftige Begleiterkrankung. 42 % befinden sich zu Bestrahlungsbeginn in frühen Tumorstadien, 41 % sind nodal negativ, 63 % sicher metastasenfrei. 30 Teilnehmer (27,8 %) haben anale oder kolorektale Karzinome. 28 Männer (25,9 %) werden wegen eines Tumors des Urogenitaltrakts bestrahlt. Bei 17 Patienten (15,7 %) ist der Prima-rius im Magen, Pankreas oder den Gallenwegen lokalisiert. 11 Patientinnen (10,2 %) haben Karzinome von Zervix, Uterus oder Ovar. Die fünfte Gruppe fasst 22 Patienten (20,4 %) zusammen, die an Tumoren verschiedenster Entitäten erkrankt sind. 34,4 % der Teilnehmer sind zu Therapiebeginn zumindest geringfügig berufstätig. ERGEBNISSE: Langzeitteilnehmer sind jünger und in besserem Allgemeinzustand als Patienten, die ausgeschlossen worden oder vorzeitig ausgeschieden sind. Sie zeigen ei-nen niedrigeren Anteil an Depressivität und äußern weniger zusätzlichen Betreuungs-bedarf. Signifikant ändern sich innerhalb des Beobachtungszeitraums das „körperliche Wohlbefinden“, das „Verhältnis zu den Ärzten“, die globale Lebensqualität (FACT-G), die Subskalen „Schmerz“ und „Sozialverhalten“ sowie die Gesamtbelastung (FBK), das aktive Coping (FKV) und die „gesundheitsbezogene Zufriedenheit“ (FLZ). Die Lebensqualität wird im Wesentlichen vom Gesundheitszustand und den Begleiter-scheinungen der (Strahlen-) Therapie beeinflusst. Das Therapieende (T2) stellt den Tiefpunkt der Lebensqualität dar, sechs Wochen später (T3) haben sich die meisten Patienten wieder erholt und stabilisieren sich im darauffolgenden halben Jahr (T4). Ein weiterer wichtiger Faktor für die Lebensqualität während der Therapie und in den dar-auf folgenden sechs Monaten ist das soziale Umfeld. Trotz steigender Belastung, höherer Depressivität und Absinken der meisten LQ-Scores steigen die gesundheitliche Zufriedenheit und das seelische Wohlbefinden zu Ende der Bestrahlung. Sechs Wochen danach imponieren eine gebesserte Lebensquali-tät und weiter gestiegene Zufriedenheit in Kontrast zu erhöhter Belastung. Diese wi-dersprüchlichen Ergebnisse scheinen Ausdruck der Adaptation an die Krankheit zu sein. Eine Faktorenanalyse über die Subscores der generischen Fragebögen hinweg zeigt sechs Hauptaspekte der Lebensqualität zu Therapiebeginn: sozialen Rückhalt, physi-sche und soziale Belastung, emotionale Belastung, materielle Zufriedenheit, soziale Zufriedenheit und verdrängende Krankheitsverarbeitung. Über den gesamten Erhebungszeitraum hinweg geben die Teilnehmer v. a. Bedarf an zusätzlichen Sachinformationen sowie Gesprächen mit einem Arzt an. Ein Drittel steht psychologischen Interventionen kritisch bis ablehnend gegenüber. Das Interesse an Selbsthilfegruppen, pflegerischer Betreuung und Beratung in Rentenfragen nimmt leicht zu. Eine Analyse legt nahe, dass belastete und unzufriedene Patienten besonders hohen Bedarf an Einzelgesprächen mit Psychotherapeuten haben sowie großes Interesse an Selbsthilfegruppen angeben, während aktiv verarbeitende Teilnehmer vor allem prakti-sche Unterstützung und konkrete Informationen wünschen. DISKUSSION: Die Teilnehmer stellen ein im Hinblick auf medizinische und psychi-sche Merkmale positiv selektioniertes Patientengut dar. Sie wünschen dennoch zusätz-liche Betreuung und sind zum größten Teil offen für psychotherapeutische Gespräche. Man muss davon ausgehen, dass Studienabbrecher und Nicht-Teilnehmer einen sehr viel höheren psychosozialen Betreuungsbedarf haben. Belastete Patienten zu identifi-zieren und einfühlsam zu motivieren, ist die schwierigste Aufgabe des Arztes. Dabei kann ihm eine kurze Ergänzung des Aufnahmegesprächs, wie sie die vorliegende Dis-sertation anbietet, wichtige Hinweise liefern: Fragen zu den die Lebensqualität be-stimmenden Faktoren wie der Art der aktuellen Belastung, der Zufriedenheit in ver-schiedenen Lebensbereichen, der sozialen Unterstützung und der jeweils bevorzugten Copingstrategie dienen der Erfassung des Betreuungsbedarfs und erleichtern die Emp-fehlung individuell abgestimmter, auch psychologischer, Interventionen. AUSBLICK: Weiterführende Untersuchungen zur Effektivität und zur Ökonomie ge-zielter psychoonkologischer Prävention sind notwendig. Dabei muss die Zeit während und bis sechs Wochen nach der Radiotherapie differenzierter beobachtet werden, da die Bestrahlung die Lebensqualität in besonderem Maße beeinflusst. Ergänzend ist der Einfluss von Rehabilitationsmaßnahmen zu erforschen. Auch Langzeitfolgen für die seelische Verfassung der Patienten müssen in nachfolgenden Auswertungen näher be-leuchtet werden. Als tragende Säule zur Verbesserung der Patientenversorgung ist es außerdem unerlässlich, die Angehörigen und das weitere soziale Umfeld der Tumorkranken besser zu informieren und stärker in die Betreuung mit einzubeziehen. Unter günstigen Umständen wird dadurch das Krankenhauspersonal entlastet und Kriseninterventionen vermieden