| Gärtner, Ariane Maria (2024): Moral, Rationalität, Interperspektivität. Dissertation, LMU München: Faculty of Philosophy, Philosophy of Science and the Study of Religion |
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Abstract
Diese philosophische Abhandlung untersucht Empathie als epistemische Haltung im Kontext von Moralität und Rationalität. Nach der Zurückweisung der These, dass die menschliche Disposition zum Mitgefühl (affektive Empathie) eine naturalistische Begründung der Moral erlaubt, wird eine alternative Position verteidigt: die kognitive Empathiefähigkeit (perspective-taking) ist als epistemische Haltung eine notwendige Bedingung für die individuelle Verantwortung freier und gleicher Akteure im Rahmen lebensweltlicher Kooperation. Diese Verantwortung verlangt von moralisch integren und vernünftigen Personen, die eigenen Handlungen, Überzeugungen und Emotionen rechtfertigen zu können sowie die berechtigten Ansprüche und Erwartungen anderer in Entscheidungen einzubeziehen. Die Fähigkeit, fremde Standpunkte adäquat nachzuvollziehen, dient demnach der Erkenntnis von Gründen, die in der intersubjektiven Intentions- und Überzeugungsbildung berücksichtigt werden müssen. Es wird ferner dafür argumentiert, dass diese Rechtfertigungspflicht in einem liberalen Gesellschaftssystem einem impliziten Kontraktualismus lebensweltlicher Kooperation entspringt. Moral wird intersubjektiv ausgehandelt, was die Einbeziehung einer Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven in Abwägungsprozesse voraussetzt. Da nur objektiv nachvollziehbare Gründe akzeptanzfähig sind, folgt aus der Prämisse der Objektivität der Moral eine Absage an den ethischen Subjektivismus. In diesem Zusammenhang greift die Arbeit das von Thomas Nagel formulierte Hauptproblem der Ethik auf: das Spannungsverhältnis zwischen der Subjektivität des Einzelnen, dem Bewusstsein anderer Subjekte und dem Anspruch auf Objektivität. Aufgrund der komplexen Verflechtung all dieser Perspektiven in normativen, praktischen und theoretischen Urteilen führt die Abhandlung den Begriff der „Interperspektivität“ ein. Diese bezeichnet sowohl das Verhältnis individueller Standpunkte zueinander als auch die Relation zwischen dem Subjekt, der kollektiven Ebene und der Objektivität. Abschließend wird dafür plädiert, moralische Gefühle nicht als rein natürliche Dispositionen zu verstehen. Sie resultieren vielmehr auf allen intersubjektiven und gesellschaftspolitischen Ebenen aus diesem lebensweltlichen Kontraktualismus.
| Item Type: | Theses (Dissertation, LMU Munich) |
|---|---|
| Keywords: | Empathie, Moral, Rationalität, Kontraktualismus, Kooperation |
| Subjects: | 100 Philosophy and Psychology 100 Philosophy and Psychology > 190 Modern western philosophy |
| Faculties: | Faculty of Philosophy, Philosophy of Science and the Study of Religion |
| Language: | German |
| Date of oral examination: | 2. July 2024 |
| 1. Referee: | Nida-Rümelin, Julian |
| MD5 Checksum of the PDF-file: | 5018291e9fbac470ddd5f4cfd105388f |
| Signature of the printed copy: | 0001/UMC 32037 |
| ID Code: | 37197 |
| Deposited On: | 19. Jun 2026 13:18 |
| Last Modified: | 23. Jun 2026 13:32 |