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Diener, Eric (2015): Retrospektive Studien zur Zinkintoxikation bei Papageienvögeln, Retrospective Studies on Zinc Toxicity in Psittacine Birds. Dissertation, LMU München: Tierärztliche Fakultät
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Abstract

Zinkintoxikationen bei Psittaziden werten durch die orale Aufnahme von Zink, hauptsächlich durch Benagen von Käfig- und Volierengittern oder anderer metallischer Gegenstände verursacht. Durch die Aufnahme von zinkhaltigen Fremdkörpern kommt es zu einem akuten Krankheitsbild mit Apathie, Anorexie, Gewichtsverlust, Stase des Gastrointestinaltrakts und Ataxie, welches durch Tierversuche an Nymphensittichen durch HOWARD (1992) belegt wurde. Ziel der Studie war es, die Bedeutung von chronischen Zinkintoxikationen für Psittaziden zu untersuchen, artspezifische Unterschiede der Serumzinkwerte darzustellen, Korrelationen zwischen Zink und anderen Serumelektrolyten zu überprüfen und herauszufinden, ob Zusammenhänge zwischen Serumzinkwert und dem Auftreten von klinischen Symptomen bestehen. Weiterhin wurden die Beschreibungen von Symptomen aus der Literatur mit den Ergebnissen verglichen und eine Bewertung erstellt, welche Symptome durch chronische Zinkintoxikationen verursacht werden können. Dazu wurden Plasmaproben von 1919 Papageienvögeln im Zeitraum von 2007 – 2013 analysiert und die Konzentrationen der Elektrolyte Zink, Kupfer, Selen, Calcium und Magnesium bestimmt. Darunter befanden sich 101 Agaporniden, 228 Amazonen, 69 Aras, 34 Edelpapageien, 438 Graupapageien, 89 Kakadus, 212 Nymphensittiche und 748 Wellensittiche. Weiterhin wurden die klinischen Symptome der Tiere erfasst. Die für Zinkvergiftungen in der Literatur bereits beschriebenen Symptome wurden dokumentiert und in die zehn Kategorien Kotabsatzstörungen, Polyurie/Polydipsie, Befiederungsstörungen, Federrupfen und Automutilation, reduzierte Futteraufnahme und Anorexie, reduziertes Allgemeinbefinden und Apathie, Gewichtsverlust und Kachexie, Vomitus und Regurgitieren, neurologische Symptome und respiratorische Symptome untergliedert. Es ergaben sich deutliche Unterschiede in den mittleren Serumzinkwerten zwischen den untersuchten Arten. Bei Kakadus waren die mittleren Serumzinkwerte am höchsten, gefolgt von Agaporniden, Graupapageien und Edelpapageien, während die Werte der Aras am niedrigsten waren. Korrelationen von Zink und den Serumelektrolyten Kupfer, Selen, Calcium und Magnesium mit gleichmäßiger Tendenz konnten nicht festgestellt werden. Es bestand eine große Variation zwischen den untersuchten Arten mit teilweise positiven und teilweise negativen Korrelationen. Daraus wurde geschlussfolgert, dass Korrelationen von Zink und anderen Serumelektrolyten für die Pathogenese der Zinkintoxikation keine Bedeutung haben. Insgesamt waren von den 1919 untersuchten Papageienvögeln 419 klinisch gesund und 1500 zeigten klinische Symptome. Von den klinisch erkrankten Tieren wiesen 19,2% erhöhte Serumzinkwerte auf, während 20,5% der klinisch gesunden Tiere erhöhte Zinkwerte aufwiesen. Die Serumzinkwerte waren bei den Agaporniden, Amazonen, Graupapageien und Wellensittichen bei klinisch gesunden Tieren signifikant höher als bei Tieren mit klinischen Symptomen. Bei Aras dagegen wiesen erkrankte Tiere signifikant höhere Serumzinkwerte auf als klinisch gesunde Tiere. Es konnte ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Serumzinkwert und dem Auftreten der Symptome reduziertes Allgemeinbefinden und Apathie, Gewichtsverlust und Kachexie, neurologische Symptome und respiratorische Symptome nachgewiesen werden. Kein statistisch signifikanter Zusammenhang bestand zwischen Serumzinkwert und dem Auftreten der Symptome Kotabsatzstörungen, Polyurie/Polydipsie, Befiederungsstörungen, Rupfen und Automutilation sowie Vomitus und Regurgitieren. Bei den meisten Symptomen sank jedoch die Wahrscheinlichkeit des Auftretens mit steigendem Zinkwert. Es wurde festgestellt, dass der Anteil an Tieren mit erhöhten Serumzinkwerten bei klinischen Symptomen und bei klinisch gesunden Tieren annähern gleich ist. Nach kritischer Auswertung der Literatur in Verbindung mit den Ergebnissen dieser Studie wurde geschlussfolgert, dass es keine ausreichend belegten Hinweise dafür gibt, dass eine chronische Form der Zinkintoxikation bei Papageienvögeln mit dem auftreten von klinischen Symptomen in Verbindung gebracht werden kann.

Abstract

Zinc toxicity in psittacine birds is caused by excessive uptake of zinc mainly due to chewing on galvanized wire of cages, aviaries and other metallic devices. Consumption of foreign bodies consisting of metallic zinc leads to an acute disease complex, with clinical signs such as lethargy, anorexia, weight loss, gastrointestinal stasis and neurological signs, as described in an experimental design with cockatiels by HOWARD (1992). The aim of the study was to evaluate the impact of chronic zinc toxicity on captive psittacines, species specific differences in physiologic serum zinc levels, correlations of zinc and other serum electrolytes and correlations of serum zinc levels and the occurrence of specific clinical symptoms. Also publications concerning avian zinc toxicity were compared with own results and an evaluation of clinical symptoms related to zinc toxicity was made. Plasma samples of 1919 psittacine birds were collected from 2007 to 2013 and analyzed for concentrations of zinc, copper, selenium, calcium and magnesium were determined. Among those 1919 psittacine birds sampled were 101 love birds (genus Agapornis), 228 amazon parrots (genus Amazona), 69 macaws, 34 eclectus parrots, 438 African grey parrots, 89 cockatoos, 212 cockatiels and 748 budgerigars. Clinical symptoms possibly related to zinc toxicity were documented and categorized into pathologic changes in defecation, polyuria/polydipsia, abnormal feathering, feather picking and automutilation, anorexia, depression and apathy, weight loss and emaciation, vomitus and regurgitation, neurologic signs and respiratory signs. Species specific differences in serum zinc levels were considerable. Serum zinc levels were highest in cockatoos, followed by lovebirds, African grey parrots and eclectus parrots, and lowest in macaws. There were no consistent correlations of plasma leves of zinc and the electrolytes copper, selenium, calcium and magnesium. There was high intra- and interspecific variation with partly positive and partly negative correlations. It was reasoned that correlations of zinc and other serum electrolytes have no significant impact on the pathogenesis of zinc toxicity in psittacine birds. Of a total of 1919 examined psittacines 419 were clinically healthy and 1500 showed clinical symptoms. 19,2% of the clinically ill and 20,5% of the clinically healthy individuals showed elevated serum zinc levels. In love birds, amazon parrots, African grey parrots and budgerigars serum zinc levels were significantly higher in clinically healthy individuals than in individuals with clinical symptoms. In macaws clinically ill individuals showed significantly higher serum zinc levels than clinically healthy individuals. A statistically significant correlation of serum zinc levels and the occurrence of depression and apathy, weight loss and emaciation, neurological signs and respiratory signs could be found. There was no statistically significant correlation of serum zinc levels and the occurrence of pathologic changes of defecation, polyuria/polydipsia, abnormal feathering, feather picking and automutilation or vomitus and regurgitation. However, the likelyhood of the occurrence of most clinical signs dropped with raising zinc levels. The proportion of specimens with elevated plasma zinc levels was almost equal in clinically healthy and clinically compromised birds. Following a critical analysis of published reports on avian zinc toxicity, and based on the results of this study, it was reasoned that there is no certain evidence for the existence of a chronic form of zinc toxicity as the underlying cause of clinical disease as described.