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Flöter, Stephanie (2008): Akzeptanz und Wirksamkeit telefonischer Nachsorge im Rahmen der Tabakentwöhnung in Mutter-Kind-Kuren. Dissertation, LMU München: Faculty of Psychology and Educational Sciences
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Abstract

Hintergrund: Rauchende Mütter gefährden nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern auch die ihrer Kinder. Außer während des Zeitraums der Schwangerschaft wurde dieser Zielgruppe in der Tabakforschung bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Mutter-Kind-Kureinrichtungen können ein geeignetes Setting darstellen, um diesen Frauen Maßnahmen zur Tabakentwöhnung anzubieten. Da die Dauer des Kuraufenthalts mit drei Wochen relativ kurz ist, könnte eine telefonische Nachsorgeintervention die Intensität und damit die Wirksamkeit eines klinikbasierten Tabakentwöhnungsprogramms erhöhen. Telefonbetreuung als Hauptintervention hat sich in der Tabakentwöhnung als effektiv erwiesen. Die Wirksamkeit telefonischer Nachsorge im Anschluss an ein Entwöhnungsprogramm während eines Klinikaufenthalts ist jedoch noch unklar. Weitere Forschungslücke ist der optimale Inhalt telefonischer Interventionen, der bisher kaum systematisch untersucht wurde. Die Mehrzahl der Studien verwendet ein sehr strukturiertes, rauchspezifisches Vorgehen. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Frauen von einer anderen Form der Beratung profitieren könnten, die weniger direktiv und mehr sozial unterstützend ist. Ziel: Das Ziel der vorliegenden Studie war zu untersuchen, (1) ob telefonische Nachbetreuung im Anschluss an ein klinikbasiertes Tabakentwöhnungsprogramm wirksam ist, (2) ob die untersuchte Stichprobe von Frauen mehr von einer non-direktiven, supportiven Beratung profitiert als von einer strukturierten, rauchspezifischen Beratung und (3) welche personenbezogenen Variablen sich als prädiktiv für eine Abstinenz erweisen. Methodik: 527 rauchende Mütter nahmen während ihres Kuraufenthalts an einem Tabakentwöhnungskurs teil und wurden anschließend zufällig einer von drei Nachsorgebedingungen zugewiesen: (a) einer Kontrollgruppe, die keine Nachsorge erhielt, (b) einer strukturierten Telefonnachsorge oder (c) einer non-direktiven Telefonnachsorge. Zu Beginn des Kurses wurden soziodemographische, rauchbezogene und psychosoziale Prädiktoren erhoben. Am Ende des Kurses und sechs Monate nach Ende der Kur wurde der Rauchstatus der Teilnehmerinnen erfasst. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgte mit logistischen Regressionsanalysen, die mithilfe der Huber-White-Informations-Sandwich-Methode die Längsschnittlichkeit der Daten berücksichtigten. Ergebnisse: Bei der Zusammenfassung der zwei Telefonbedingungen zu einer Interventionsgruppe ergab sich ein marginal signifikanter Effekt der Telefonnachsorge im Vergleich zur Kontrollbedingung. Bei getrennter Analyse der Interventionsbedingungen zeigte sich nur die strukturierte Telefonnachsorge der Kontrollgruppe überlegen und erbrachte die höchste Abstinenzquote nach sechs Monaten (31.5 %; OR: 2.0; CI: 1.1-3.8). Die non-direktive Telefonberatung führte nicht zu einer signifikanten Verbesserung der Abstinenzquoten. Als signifikante Prädiktoren für einen Abstinenzerfolg neben den Nachsorgeinterventionen erwiesen sich der Status als alleinerziehende Mutter, Schulbildung, Tabakabhängigkeit und Selbstwirksamkeit. Diskussion: Eine strukturierte telefonische Nachbetreuung erweist sich für Frauen als wirksame Intervention, um im Anschluss an ein klinikbasiertes Tabakentwöhnungsprogramm die Abstinenzquote aufrechtzuerhalten. Im Vergleich mit einer non-direktiven Telefonbetreuung wurde der strukturierte Beratungsansatz von den Teilnehmerinnen besser akzeptiert und konnte vermutlich ausreichend soziale Unterstützung bieten und gleichzeitig durch eine größere Zielorientierung das Rauchverhalten effektiv beeinflussen. Die Ergebnisse sprechen für die Wirksamkeit eines kurzen Tabakentwöhnungsprogramms während der stationären Rehabilitation, ergänzt durch eine telefonische Nachsorge. In Zukunft sollte eine Möglichkeit gefunden werden, wie die telefonische Nachbetreuung in den Routineablauf integriert werden kann. Die gefundenen Prädiktoren machen deutlich, dass neben personzentrierten auch strukturelle Maßnahmen notwendig sind, um rauchende Frauen beim Aufhörprozess zu unterstützen.

Abstract

Acceptance and effectiveness of telephone aftercare following a smoking cessation intervention in mother-child rehabilitation Background. Smoking mothers put their own health as well as that of their children at risk. Except during the period around pregnancy this target group has reached little attention in the field of tobacco research. Mother-child rehabilitation centers could be a suitable setting for providing smoking cessation measures for these women. As the duration of the rehabilitation stay is relatively short, a telephone aftercare intervention could enhance the intensity and the effectiveness of a hospital-based smoking cessation program. Telephone counselling as the main intervention has been shown to be effective in increasing abstinence rates. However, the effectiveness of telephone aftercare following a cessation program during a rehabilitation stay is unclear. A further gap in research is the optimal content of telephone interventions which has not been studied systematically so far. Most studies use a very structured, smoking-specific counselling approach. There are hints that women could benefit more from a different form of counselling that is less directive and more supportive. Aim. Aim of the present study was to analyse (1) if telephone aftercare following an inpatient smoking cessation program is effective, (2) if the targeted sample of women profits more from a non-directive, supportive counselling style than from a structured, smoking-specific style and (3) which individual-related variables predict abstinence. Method. 527 smoking mothers participated in a smoking cessation program during their rehabilitation stay and afterwards were randomized to one of three aftercare conditions: (a) a control group that did not receive any aftercare, (b) a structured telephone aftercare intervention or (c) a non-directive telephone aftercare intervention. At the beginning of the inpatient program data on sociodemographic, smoking-related and psychosocial predictors was collected. At the end of the program and six months after the end of rehabilitation, smoking status of participants was assessed. The evaluation of the results was effected through logistic regression analyses that accounted for longitudinal data by using the Huber-White information sandwich method. Results. The pooling of the two telephone conditions into one intervention group resulted in a marginal significant effect of telephone aftercare compared to the control condition. In a separate analysis of the intervention groups only the stuctured telephone counselling approach proved to be superior to the control group and resulted in the highest abstinence rate after six months (31.5 %; OR: 2.0; CI: 1.1-3.8). The non-directive counselling group did not show a significant effect on abstinence rates. Beside the aftercare interventions, status as a single mother, education level, tobacco dependence and self efficacy emerged as significant predictors of success in reaching abstinence. Discussion. Structured telepone aftercare proves to be an effective intervention for women to stabilize abstinence rates following an inpatient smoking cessation program. Compared to a non-directive counselling approach the structured telephone aftercare was better accepted by the participants and probably was able to provide sufficient social support and at the same time to effectively influence smoking behavior through its higher goal orientation. The results suggest the effectiveness of a short smoking cessation program during inpatient rehabilitation followed by telephone aftercare. In the future, possibilities have to be found how to integrate telephone counselling into treatment routine. The characteristics that emerged as predictors of abstinence make clear that, beside person-centered interventions, structural measures are needed to support smoking women in the process of quitting.