Logo
DeutschClear Cookie - decide language by browser settings
Gasnier, Barbara C. H. (2002): Einfluß einer Selen-Substitution auf den Verlauf einer Autoimmunthyreoiditis: Eine prospektiv-randomisierte klinische Studie. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
[img]
Preview
PDF
Gasnier_Barbara.pdf

1294Kb

Abstract

Selenium Supplementation in Patients with Autoimmue Thyroiditis Decreases Thyroid Peroxidase Antibodies Concentrations ROLAND GÄRTNER, BARBARA C. H. GASNIER, JOHANNES W. DIETRICH, BJARNE KREBS, AND MATTHIAS W. A. ANGSTWURM Departement of Endocrinology, Medizinische Klinik Innenstadt, University of Munich, D-80336 Munich, Germany In areas with severe selenium deficiency there is a higher incidence of thyroiditis due to a decreased activity of selenium-dependent glutathione peroxidase activity within thyroid cells. Selenium-dependent enzymes also have several modifying effects on the immune system. Therefore, even mild selenium deficiency may contribute to the developpement and maintenance of autoimmune thyroid dideases. We performed a blinded, placebo-controlled, prospective study in female patients (n = 70; mean age, 47.5 + 0.7 yr) with autoimmune thyroiditis and thyroid peroxidase antibodies (TPOAb) and/or Tg antibodies (TgAb) above 350 IU/ml. The primary end point of the study was the change of TPOAb concentrations. Secondary end points were changes in TgAb, TSH, and free thyroid hormone levels as well as ultrasound pattern of the thyroid and quality of life estimation. Patients were randomized into 2 age- and antibody (TPOAb)-matched groups; 36 patients received 200 µg (2.53 µmol) sodium selenite/d, orally, for 3 months, and 34 patients recieved placebo. All patients were substituted with L-T4 to maintain TSH within the normal range. TPOAb, TgAb, TSH, and free thyroid hormones were determined by commercial assays. The echogenicity of the thyroid was monitored with high resolution ultrasound. The mean TPOAb concentration decreased significantly to 63.6% (P = 0.013) in the selenium group vs. 88% (P = 0.95) in the placebo group. A subgroup analysis of those patients with TPOAb greater than 1200 IU/ml revealed a mean 40% reduction in the selenium-treated patients compared to a 10% increase in TPOAb in the placebo group. TgAb concentrations were lower in the placebo group at the beginning af the study and significantly further decreased (P = 0.018), but were unchanged in the selenium group. Nine patients in the selenium-treated group had completely normalized antibody concentrations, in contrast to two patients in the placebo group (by x2 test, P = 0.01). Ultrasound of the thyroid showed normalized echogenicity in these patients. The mean TSH, free T4, and free T3 levels were unchanged in both groups. We conclude that selenium substitution may improve the inflammatory activity in patients with autoimmune thyroiditis, especilally in those with high activity. Whether this effect is specific for autoimmune thyroiditis or may also be effective in other endocrine autoimmune diseases has yet to be investigated. (J Clin Endocrinol Metab 87: 1687-1691, 2002)

Abstract

ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK Initial gingen wir von der Hypothese aus, daß schon ein milder Selenmangel zur Entwicklung und Aufrechterhaltung einer AIT beitragen kann, und daß Selen einen modulierenden Effekt auf das Immunsystem hat. Aus diesen Überlegungen heraus führten wir eine prospektive, geblindete, randomisierte und placebokontrollierte Studie durch. Eingeschlossen wurden insgesamt 70 Patientinnen mit AIT. Von diesen erhielten 36 drei Monate lang 200 µg Natriumselenit pro Tag, 34 bekamen Placebo. Als primäres Studienziel erfaßten wir den Verlauf der TPO-AK-Konzentrationen im Serum, als sekundäre Studienziele - den Verlauf der TGAK-Konzentrationen, - der FT3- und FT4- und TSH-Plasmaspiegel - sowie Perfusionsausmaß und Echomuster der Schilddrüse in der hochauflösenden Doppler-Sonographie. - Außerdem wurde die Lebensqualität anhand eines SF 12-Fragebogens ermittelt. Es konnte gezeigt werden, daß eine Substitution mit 200µg Natrium-Selenit 1) sowohl die TPO-AK-Konzentrationen, als auch die Aktivität der Erkrankung signifikant senkte, 2) daß sich darunter bei 9 von 36 Patientinnen die Perfusion, Autoantikörper-Konzentrationen und sonographisches Bild der Schilddrüse normalisierten - in der Placebogruppe nur bei 2 von 34 Patientinnen, 3) daß sich die Schilddrüsenhormonwerte dabei nicht veränderten, 4) es zu einer hochsignifikanten Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens kam, die mit den Serum-Selenspiegeln korrelierte, 5) daß diese Veränderung unabhängig vom Verlauf der Serumkonzentration der Autoantikörper eintrat und 6) daß sich die TGAK-Konzentrationen unabhängig von der Verabreichung von Selen änderten und zu Studienende signifikant niedrigere Werte in der Placebogruppe erreichten, als in der Verumgruppe. Mit dieser Pilotstudie gelang uns somit der Nachweis, daß der Einsatz von Selen schon bei einer mäßigen Selenunterversorgung eine signifikante Senkung der Entzündungsaktivität bei einer schilddrüsenspezifischen Autoimmunerkrankung bewirkt. Interessant wäre eine Folgestudie mit der Fragestellung, ob eine frühzeitige Behandlung den Verlauf von frisch aufgetretenen Erkrankungen verzögernd oder sogar kurativ beeinfussen könnte. Außerdem halten wir es für wichtig, herauszufinden, in wieweit sich diese Ergebnisse auf andere organspezifische Autoimmunerkrankungen übertragen ließen, wie z.B. auf Diabetes mellitus Typ I, Lupus erythematodes, Perniziöse Anämie, Vitiligo etc. In diesem Zusammenhang bleibt des weiteren zu untersuchen, ob im Rahmen des Syndroms der polyglandulären Autoimmun-Erkrankungen (PGA) vorbeugend die Entstehung von Folgeerkrankungen verhindert werden könnte, die häufig in Assoziation mit der AIT auftreten. Wie schon in anderen Studien gezeigt, besitzt Selen einen positiven Einfluß auf Wohlbefinden sowie auf kognitive Leistungen. Zusätzliche Studien sind auch hier notwendig, um dies weiter abzusichern, damit es Eingang in den klinischen Alltag finden kann. Wir hoffen, daß die Resultate unserer Studie einen Anstoß dazu geben werden, die Kenntnisse der gleichermaßen gesundheitserhaltenden wie heilsamen Wirkung einer ausreichenden Versorgung dieses derart vielseitigen und lebensnotwendigen Spurenelementes zu erweitern.