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Sachse, Steffi (2007): Neuropsychologische und neurophysiologische Untersuchungen bei Late Talkers im Quer- und Längsschnitt. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Ziel der Studie war es, Aufschluss über die Prognose von sprachlich verzögerten Kindern im Alter von 24 Monaten (sog. Late Talkers) zu erhalten und Prädiktoren der sprachlichen Entwicklung zu identifizieren. Damit soll eine bessere Früherkennung von Kindern mit persistierenden Störungen der Sprachentwicklung ermöglicht und diese von sprachlichen Normvarianten unterschieden werden. Insgesamt 135 Kinder mit unterschiedlichen sprachlichen Fähigkeiten (58 Late Talkers, 46 Kontrollkinder sowie 31 sprachlichen Grenzfälle) wurden im Alter von 25 Monaten untersucht. 120 dieser Kinder konnten mit 37 Monaten erneut getestet werden. Zusätzlich erfolgte eine neurophysiologische Untersuchung mit einem MMN-Paradigma an einer Teilstichprobe von 28 Late Talkers und 26 Kontrollkindern, um auditiv sensorische Gedächtnisprozesse über eine Verlängerung der Interstimulusintervalle zu erfassen. Die Auswertungen zeigen, dass sich Late Talkers von Kontrollkindern nicht nur in sprachlichen, sondern auch in nichtsprachlichen und psychosozialen Dimensionen unterscheiden. Ein Drittel der Late Talkers zeigt mit drei Jahren eine völlig unauffällige Sprachentwicklung, während bei je einem weiteren Drittel noch sprachliche Schwächen bzw. eine spezifische Störung der Sprachentwicklung vorliegen. Schlechtere Leistungen im Sprachverständnis, eine geringere Schulbildung der Eltern, ein altersgerechter, aber niedrigerer nonverbaler Entwicklungsstand sowie externalisierende Verhaltensauffälligkeiten stehen in Zusammenhang mit einer schlechteren Prognose. Beim Vorliegen dieser Faktoren bei Late Talkers sollte eine frühe Förderung unbedingt angeregt werden, da die Wahrscheinlichkeit des Aufholens eher gering ist. Die Ergebnisse der neurophysiologischen Untersuchung könnten auf schneller verblassende Gedächtnisspuren für auditive Information bei den sprachlich verzögerten Kindern hindeuten und somit die Hypothese gestörter auditiver Gedächtnisfähigkeiten als pathogenetischen Faktor bestätigen. Außerdem scheinen spätere Verarbeitungsprozesse für auditive Informationen bei den Late Talkers auffällig. Für eine Früherkennung und Prognose im Einzelfall sind neurophysiologische Daten derzeit allerdings noch nicht nutzbar.