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Riecker, Anja (2006): Auswirkungen pränataler Stressbelastung auf die Verhaltensregulation des Kindes. Dissertation, LMU München: Faculty of Psychology and Educational Sciences
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Abstract

Zusammenfassung Zielsetzung: In der vorliegenden Untersuchung wurden die Auswirkungen pränataler Stressbelastung auf die Verhaltensregulation des Kindes bis zum Alter von 6 Monaten im prospektiven Längsschnitt untersucht. Design: Prospektive Langzeitstudie mit Messzeitpunkten während der Schwangerschaft, sowie 2-4 Tage, 6 Wochen, 3 und 6 Monate nach der Geburt. Methode: Die Untersuchungsstichprobe umfaßte 86 schwangere Frauen, die mittels standardisierter Fragebögen zu ihrer wahrgenommenen Stress-belastung, zu kritischen Lebensereignissen des letzten Jahres, sowie zu schwangerschaftsspezifischen Belastungen befragt wurden. Per Median-Split wurden die Frauen in zwei Gruppen bezüglich ihrer pränatalen Stressbelastung aufgeteilt. Postnatal wurden Daten zur Verhaltensregulation des Kindes mittels Fragebögen zum kindlichen Temperament, sowie Verhaltensbeobachtungen in der Laborsituation gewonnen. Hier wurde das Verhalten der Säuglinge beim Fersenstich, sowie bei 2 überraschenden und einem aversiven Reiz analysiert. Ergebnisse: Es zeigten sich deutliche Zusammenhänge zwischen dem Temperament des Kindes in der Fragebogenerhebung und der pränatalen Stressbelastung. Die Gruppe der pränatal höher gestressten Frauen schätzten ihre Kinder als deutlich schwieriger (irritierbarer, motorisch aktiver, leichter erregbar, negativer im Affekt) im Temperament ein als die Frauen der pränatal weniger belasteten Gruppe. Es konnten dem gegenüber jedoch keine Zusammenhänge zwischen der Verhaltensregulation des Kindes in der Laborsituation und der pränatalen Stressbelastung gefunden werden. Diskussion: Pränatale Stressbelastung hat einen Einfluss auf die mütterliche Wahrnehmung des kindlichen Temperamentes insofern, dass Mütter mit hoher pränataler Stressbelastung ihre Kinder als schwieriger erleben. Die Methodik der Messung von Verhaltensregulation wird diskutiert. Unabhängig davon ist jedoch entscheidend, dass Mütter, die ihre Kinder als schwieriger erleben, oft professionelle Hilfe benötigen. Für die Beratung von Schwangeren ist es daher wichtig, präventiv zu arbeiten und über mögliche Auswirkungen von Stress und entsprechende postnatale Hilfsangebote zu informieren.