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Riel, Tina (2006): Tiergesundheit und Verhaltensentwicklung von Straußenküken (Struthio camelus) aus der Natur- und Kunstbrut - Vergleichende Untersuchungen auf einer süddeutschen Farm.. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

Anhand der Beobachtungen wurde überprüft, ob es Unterschiede im Verhalten von Straußenküken aus der Natur- und Kunstbrut in den ersten zwei Lebenswochen gibt.In die Untersuchungen ging das Verhalten von 69 Straußenküken in ihren ersten beiden Lebenswochen mit ein, davon 48 aus der Kunstbrut und 21 aus der Naturbrut. In der Zeit von April bis Oktober 2004 wurden 4 Kunstbrutgruppen und 3 Naturbrutgruppen beobachtet. Die Untersuchungen fanden auf einer kommerziellen Straußenfarm in Süddeutschland statt. Die Naturbrutküken wurden von den Elterntieren ausgebrütet und wuchsen in den ca. 5000 m2 großen Zuchttiergehegen heran. Die Eier für die Kunstbrut wurden in Brutmaschinen ausgebrütet und die Aufzucht der Küken vom Menschen übernommen. Den Kunstbrutküken stand in den ersten 5 Tagen eine Stallfläche von 1,1 bis 3,8 m2 zur Verfügung. Danach kamen sie in den ca. 6,3 m2 großen Kükenstall mit Auslauf auf eine ca. 29 m2 große, betonierte Fläche und eine ca. 500 m2 große Weide. Zwei Methoden der Verhaltensbeobachtung wurden angewandt. Die Dauerbeobachtungsmethode von Einzeltieren (continuous recording) und die ‚instantaneous-sampling’-Methode von Fokustieren sowie der gesamten Gruppe. Die Naturbrutküken verbrachten die ersten beiden Lebenstage fast ausschließlich ruhend unter den Flügeln eines Elternvogels. Die Kunstbrutküken lagen in dieser Zeit unter den Wärmelampen und bewegten sich kaum. ‚Ruhen’ nimmt bei den Küken aus der Kunstbrut (38,7 %) einen ähnlich großen Anteil ein wie ‚Ruhen’ und ‚unter Eltern’ bei den Naturbrutküken zusammen (36,5 %). Annähernd gleich viel Zeit verbrachten die Küken aus der Kunstbrut (30,6 %) und der Naturbrut (31,0 %) mit der Lokomotion. Signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gab es im Bereich des Futteraufnahmeverhaltens. Naturbrutküken (16,9 %) grasten signifikant mehr als Kunstbrutküken (6,1%). Dafür verbrachten die Küken aus der Kunstbrut signifikant mehr Zeit mit ‚Fressen’ (6,0 %) und ‚Boden picken’ (11,3 %) als ihren natürlich aufwachsenden Artgenossen (1,7 % bzw. 0,5 %). Während die Naturbrutküken bei ungünstigen Wetterverhältnissen unter den Flügeln der Eltern Schutz fanden, mussten die Kunstbrutküken in den Stall getrieben werden, da sie diesen nicht selbstständig aufsuchten. Das klagende Trillern, das als Symptom für Stress bei den Tieren gewertet wird, wurden von den Küken unter Menschenobhut häufiger gezeigt als von den Naturbrutküken. Verhaltensauffälligkeiten wie z.B. ‚Feder picken’ konnten nur selten und wenn, dann mehr bei den Kunstbrutküken beobachtet werden. Die Untersuchungen zeigen, dass die Kunstbrutküken eine intensive Betreuung durch den Menschen benötigen. Die Aufzucht von Straußenküken stellt hohe Anforderungen an die Haltungsumgebung und das Management und sollte deshalb nur von Personen mit der nötigen Sachkunde durchgeführt werden. Im Hinblick auf die untersuchten Aspekte scheint eine tiergerechte, künstliche Aufzucht von Straußenküken durch den Menschen bei ausreichender Betreuung und Einhaltung bestimmter Anforderungen an die Haltung und das Management möglich zu sein.