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Haberland, Barbara (2006): Verhalten von Laborhunden in Abhängigkeit ihrer Haltung. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, das Verhalten von Laborhunden in Abhängigkeit ihrer Haltungsumwelt zu untersuchen. Hierzu wurden vier möglichst unterschiedliche Einrichtungen ausgewählt, in denen drei Verhaltensuntersuchungen sowie eine 24-stündige Verhaltensbeobachtung, mit Hilfe von Videoaufzeichnungen, durchgeführt wurden. Bei den Unterbringungen in Einrichtung A und C handelte es sich um separate Hundehäuser, bei B und D waren sie in die Einrichtungsgebäude integriert. Die Hunde aus den Einrichtungen C und D hatten permanenten Zugang zu Ausläufen, in den anderen Einrichtungen wurden sie täglich bzw. wetterabhängig dorthin gebracht. In den Einrichtungen A, B und C stand den Hunden feststehendes Enrichment in Form von Liegewannen (A) bzw. Liegebrettern (B und C) zur Verfügung. Bewegliches Enrichment gab es meist nur unter Aufsicht des Pflegepersonals, in den Einrichtungen A und C standen Äste (A) und Dentalbälle (C) permanent zur Verfügung. Die Hunde aus Einrichtung D bekamen einmal pro Woche für ca. zwei Stunden Rinderknochen angeboten. Die Untersuchung wurde insgesamt an 90 Hunden der Rasse Beagle, beiderlei Geschlechts, im Alter von 1-10 Jahren, durchgeführt. Für die Verhaltensuntersuchungen wurden in den Einrichtungen A, B und D jeweils 23, in Einrichtung C 21 Hunde ausgewählt. Die Verhaltensuntersuchung gliederte sich in drei Teile: Beim „Begegnungstest“ wurden die Hunde mit einer bekannten sowie einer unbekannten Person, innerhalb und außerhalb ihrer Unterbringung, konfrontiert. Bei der „versuchsbedingten Manipulation“ wurden die Hunde, in einem ihnen unbekannten Raum, auf einen Behandlungstisch gehoben und von einem Tierpfleger fixiert. Beim „Verhaltenstest“ wurde, in verschiedenen Testteilen, die Reaktion der Hunde auf ihnen fremde Situationen und Menschen überprüft. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den Hunden herzustellen, wurde bei der Auswertung ein Score-System entwickelt, in welchem sowohl das Verhalten als auch die Körperhaltung sowie das Auftreten von „Beschwichtigungs- und Stresszeichen“ berücksichtigt wurde, wobei hohe Score-Werte für offenes, angstfreies Verhalten und entspannte Körperhaltung sprach. Die 24-stündige Verhaltensbeobachtung wurde an mindestens zehn Hunden in mindestens drei Haltungseinheiten pro Einrichtung durchgeführt. Zusätzlich wurden die Einrichtungen auf ihre Umweltbedingungen, u.a. Schallpegel, untersucht. Im „Begegnungstest“ zeigten die Hunde aller Einrichtungen ausgeprägte Kontaktsuche zu den Personen. Es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Ergebnissen der Testabschnitte mit bekannter Person und denen mit der unbekannten Person. Die Hunde ZUSAMMENFASSUNG 102 in Einrichtung A, die an der Leine geführt werden konnten, da sie dies gewöhnt waren, reagierten beim Herausfangen weniger submissiv als die Hunde der anderen Einrichtungen, die zum Transport getragen werden mussten. In der „versuchsbedingten Manipulation“ zeigten die meisten Hunde submissives Verhalten beim Heben auf den Tisch und deutliche Zeichen der Entspannung während der Untersuchung auf dem Behandlungstisch. Anzeichen für ein besonders vertrautes Hund- Pfleger-Verhältnis wurde in den integrierten Haltungen bzw. in denen gesehen, in welchen intensiv mit den Hunden gespielt wurde. Gleichzeitig fielen die Hunde der integrierten Unterbringungen teilweise durch signifikant höhere Körpertemperatur und Herzfrequenz auf (mit p < 0,01). Im „Verhaltenstest“, wie auch schon in den anderen Untersuchungen, erhielten die Hunde aus Einrichtung D die höchsten Gesamt-Score-Werte, d.h. sie zeigten sich besonders umweltsicher und aufgeschlossen. Allerdings zeigten diese Hunde auch am signifikant häufigsten „Hecheln“ (mit p < 0,01), was als Zeichen von Aufregung zu werten war. Generell niedrige Verhaltens-Score-Werte ergaben sich in den Testteilen „Kontaktversuch“, „Fremdes Objekt“ sowie im „Zudeckversuch“, d.h. die Hunde reagierten auf einen eintretenden fremden Menschen sowie auf ihnen unbekannte Gegenstände (Regenschirm und Stofftuch) zurückhaltend. „Stresszeichen“ wurden durchweg sehr selten gezeigt. Die niedrigsten Gesamt-Score-Werte erhielten die Hunde von Züchtern, sowie die Hunde im Alter von unter zwei Jahren. Somit spielen Alter und Herkunft der Hunde wohl eine entscheidende Rolle. Die 24-stündige Videobeobachtung zeigte, dass die Tagesaktivität in den Einrichtungen zwischen 20,1 % und 27,0 % lag, wobei das „Liegen“ den Hauptanteil des Verhaltensbudgets ausmachte (65,0 % bis 70,0 % der Beobachtungszeit). Die Ausläufe sowie das angebotene feststehende Enrichment wurden sehr häufig genutzt. Gerade in der Nachtphase (18.00-6.00 Uhr) nutzen die Hunde die angebotenen Liegemöglichkeiten (Liegebretter und Liegewannen) mit 60,4 % bis 80,0 % (von 12 Stunden) sehr häufig. Gemeinsame Nutzung durch mehrere Hunde war in allen Einrichtungen zu beobachten. Das angebotene bewegliche Enrichment (Äste und Dentalbälle) wurde, mit Ausnahme der Rinderknochen in Einrichtung D, sehr selten genutzt (18 Sekunden von 7 Stunden bzw. 2,7 Minuten von 24 Stunden pro Hund). Wenn es ihnen möglich war, trennten die Hunde Schlafund Kotplatz. War die vollständige Trennung durch bauliche Gegebenheiten möglich, wurde diese genutzt. Es wurde kein aggressives Verhalten (Angreifen und Beißen) sowie nur sehr selten stereotypes Verhalten beobachtet. Die Hunde aller Einrichtungen zeigten auffallend ZUSAMMENFASSUNG 103 häufig Kotfressen. Die Ausläufe mit permanentem Zugang wurden besonders in der Tagphase (6.00-18.00 Uhr), mit 23,2 % bzw. 41,8 % (von 12 Stunden), häufig genutzt. Das Enrichment im Außenbereich hingegen wurde nur selten genutzt (1,5 % von 7 Stunden bzw. 7,9 % von 24 Stunden). Bei der Schallpegelmessung wurden in den separaten Unterbringungen niedrigere Werte verzeichnet. In Einrichtung D, welche schalldämmende Materialien im Innenraum einsetzte, lagen die Werte deutlich unter denen der anderen integrierten Unterbringung in Einrichtung B. Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass es sich bei allen Einrichtungen um vorbildlich geführte, tiergerechte Unterbringungen handelte, in welchen gerade das Pflegepersonal besonders guten Kontakt zu den Tieren hatte. Dieser intensive Kontakt wie auch das gezielte Spiel mit den Tieren scheint eine besondere Bedeutung für die Hundehaltung zu haben, und scheint sich positiv auf das Verhalten der Hunde auszuwirken. In Anbetracht der Ergebnisse sollten die Vorteile einer integrierten Unterbringung, bezüglich einer besseren Gewöhnung der Hunde an Alltagssituationen, gegenüber einer separaten Unterbringung, mit dem Vorteil einer geringeren Erregung der Hunde, abgewogen werden. Es lassen sich folgende Empfehlungen ableiten: • intensiver Pflegerkontakt und gezielte Beschäftigung mit den Tieren • Enrichment im Innenbereich, in Form von Liegeplätzen • permanenter Zugang nach draußen in den Auslauf • Erhöhung der Attraktivität des Auslaufs, z.B. durch Ausblick und Anreicherung • bauliche Untergliederung der Unterbringung, um vollständige Trennung von Schlaf und Kotplatz zu ermöglichen