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Schlüter, Aline Silja (2006): Die amtliche Fleischuntersuchung der Tierart Rind in Deutschland: Retrospektiven, Status quo und Perspektiven.. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

Official meat inspection of cattle in Germany:retrospectives, status quo and perspectives. Meat inspection in cattle has been carried out for a long time and, over the course of centuries, has been adapted to the needs of society and scienitific progress. The currently practised official meat inspection in cattle was established at a moment the epidemic status of which is not concurrent to the disease status of modern cattle herds. The data published anually by the Federal Statistic Office concerning the frequency and distribution of diagnoses made in the slaughterhouses support the change in the epidemic status of modern cattle herds. In former times, the aim of official meat inspection was the determination of typical pathological findings, whereas nowadays, the symptoms of classical epidemics are observed less commonly and latent infections occur more frequently. Concurrently, the consumers' demand for high quality and risk-free food produced in accordance with animal welfare concerns increases. Numerous food scandals and especially the BSE crisis in the 1990s lead to a marked decline in the sale of beef in Germany. To take into account these developments, the "White Paper on food safety" was adopted in 2000, aiming to a revision of the EU food hygiene rules. Major components of these new legal provisions are risk analysis and traceability. To accomplish these aims, the concept of food chain information was developed. In order to ensure a maximum degree of food safety, the complete food production chain, from producer up to consumer, has to be fashioned in a transparent and traceable way, in relation to the risk emanating from the food product in question. In future, the primary responsibility for food safety has to be assumed by the feed manufacturers, the farmers and the food operators, while the competent authorities control the compliance with the legal requirements via national control systems. Another new element of food law is the concept of risk analysis, consisting of risk assessment, risk management and risk communication. Modern considerations in quality assurance and consumer production have to integrate the enormous information flow between slaughterhouses and farms of origin into jurisdiction processes. In the long run, only complete transparency concerning herd health, veterinary treatments and diagnoses obtained in the slaughterhouse is suitable for determining and reducing risks associated with beef. In addition, it is absolutely necessary to integrate primary production into health monitoring. By carrying out ante-mortem inspections at the holdings of provenance, animals with latent infections could be excluded from the production chain at an early stage, therefore minimizing the risk of contamination of other carcasses. In the pork production sector, these considerations have already been implemented by establishing a comprehensive and integrated quality assurance system. Such systems impose a higher degree of responsibility on the farms and make increased demands on farm management. Similar quality assurance systems, which might in the long run entail ante-mortem inspections at the holdings of provenance, can therefore not be applied to all areas of beef production, but only to large enterprises.

Abstract

Die Bedeutung der Fleischuntersuchung (FU) beim Rind ist seit Jahrhunderten überliefert, wobei sie seit jeher einer dynamischen Anpassung an die Bedürfnisse der Gesellschaft und den wissenschaftlichen Fortschritt unterliegt. So wurde die derzeitige amtliche Fleischuntersuchung beim Rind zu einer Zeit gesetzlich verankert, deren Seuchenlage dem Gesundheitsstatus heutiger Rinderbestände nicht mehr entspricht. Die jährlich veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes zu den Befunderhebungen am Schlachthof belegen den Wandel im Seuchengeschehen heutiger Rinderbestände. Galt es einst, mittels der amtlichen Fleischuntersuchung pathologisch-anatomische Befunde zu erheben, so verschieben sich heute die Krankheitsbilder klassischer Tierseuchen vermehrt in Richtung latenter Infektionen. Gleichzeitig steigt der Anspruch der Verbraucher an hochwertige, risikofreie und tierschutzgerecht erzeugte Lebensmittel. Zahlreiche Lebensmittelskandale, insbesondere die BSE-Krise in den 90er Jahren, führten zu einem deutlichen Einbruch des Rindfleischmarktes in Deutschland. Um diesen und anderen Entwicklungen auf EU-Ebene Rechnung zu tragen, wurde mit dem Erlass des „Weißbuches zur Lebensmittelsicherheit“ im Jahr 2000 das Lebensmittelrecht auf EU-Ebene neu konzipiert. Kernpunkte der neuen Vorschriften sind die Risikoanalyse und die Rückverfolgbarkeit. Hierfür wurde das Konzept der Lebensmittelketteninformation entwickelt. Für eine maximale Lebensmittelsicherheit muss fortan die gesamte Herstellungskette, vom Erzeuger bis zum Verbraucher, in Relation zu dem von dem jeweiligen Lebensmittel ausgehenden Risiko transparent und rückverfolgbar gestaltet werden. Die primäre Verantwortlichkeit obliegt dabei zukünftig den Futtermittelherstellern, den Landwirten und den Lebensmittelunter-nehmern, wobei die zuständigen Behörden mittels nationaler Kontrollsysteme die Einhaltung der Bestimmungen überwachen. Neu ist auch das Konzept der Risikoanalyse, bestehend aus der Risikobewertung, dem Risikomanagement und der Risikokommunikation. Moderne Überlegungen bezüglich der Qualitätssicherung und des Verbraucher-schutzes müssen den umfangreichen Informationsfluss zwischen den Schlachtbe-trieben und den Erzeugern in die Rechtsprechung aufnehmen. Nur eine lückenlose Transparenz bezüglich Herdengesundheit, tierärztlicher Behandlungen und der Befunderhebung am Schlachthof sind langfristig dazu geeignet, Gefahren, die von Rindfleisch ausgehen, zu erkennen und zu minimieren. Des Weiteren ist es unabdingbar, die Primärproduktion in die Gesundheitsüberwachung einzubinden. Mittels einer vorgezogenen Schlachttieruntersuchung im Herkunftsbetrieb könnten fortan auch latent erkrankte Tiere aus der Produktionskette frühzeitig ausgeschlos-sen und somit die Risiken einer Kontamination anderer Schlachtkörper minimiert werden. Im Sektor der Schweinefleischerzeugung wurden diese Überlegungen mittels der Etablierung eines produktionsübergreifenden Qualitätssicherungssystems bereits umgesetzt. Dabei fällt den landwirtschaftlichen Betrieben fortan eine höhere Verantwortung und ein erheblich gesteigerter Anspruch an das Bestandsmanage-ment zu. Ähnliche Qualitätssicherungssysteme, die langfristig zu einer vorgezogenen Schlachttieruntersuchung führen könnten, sind somit nicht auf alle Bereiche der Rindfleischerzeugung anzuwenden, sondern allenfalls großen Unternehmen vorbehalten.