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Müller, Michael (2005): Erholung kognitiver und psychomotorischer Funktionen nach balancierter Anästhesie. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

In der vorliegenden offenen, randomisierten und prospektiven Studie wurde die Erholung der kognitiven und psycho- motorischen Leistungsfähigkeit nach einer balancierten Anästhesie mit Isofluran und Sevofluran untersucht. Durch den deutlich niedrigeren Blut-Gas-Verteilungs- koeffizienten des neuen Inhalationsanästhetikums Sevofluran wurde ein schnelleres An- und Abfluten und damit verbunden ein schnelleres Wiedererlangen der geistigen Leistungs- fähigkeit erwartet. Vierzig Patienten, welche sich einem allgemeinchirurgischen Eingriff in balancierter Anästhesietechnik unterziehen mussten, wurden randomisiert zwei Studiengruppen zugewiesen. Die eine Gruppe erhielt als volatiles Anästhetikum Isofluran, die andere Sevofluran. Das übrige Pharmaregime bezüglich Prämedikation, Narkoseeinleitung und -führung war für beide Untersuchungsgruppen identisch. Als neuropsychologische Parameter wurden erfasst: Aufwachzeit und Wiedererlangen der Orientierung nach Anästhesieende, Wahlreaktionszeiten, Memo-Test nach Schaaf, Zahlennachsprechen, Visuelle Analogskalen für Schmerz, Wachheit, Übelkeit, Stimmung und Angst, mod. Aldrete Score. Die Tests wurden zu 5 Messzeitpunkten durchgeführt, am Tag vor dem Eingriff, sowie 30, 60, 120 und 240 min nach Beendigung der Narkosegaszufuhr. Die Patientengruppen waren hinsichtlich demographischer Daten (Geschlecht, Alter, Größe, Gewicht und Schulbildung) und ASA-Klassifikation (I, II) vergleichbar. Eindeutige Vorteile für die Sevoflurananästhesie waren vor allem in den Parametern des unmittelbaren Aufwachverhaltens zu finden. So konnten die Patienten nach kürze-rer Zeit extubiert werden (6,3 vs. 10,95 ± 5 min), öffneten rascher die Augen ( 7,5 ± 2,7 min vs. 10,2 ±5,4 min), drückten früher auf Anforderung die Hand (7,85 ± 2,6 min vs. 10,2 ± 4,2 min), nannten eher ihren Namen (10,1 ± 3,3 min vs. 17,1 ± 5,6 min), ihr Geburtsdatum (10,2 ± 3,3 min vs. 17,1 ± 5,6 min), den jeweiligen Wochentag (10,5 ± 3,6 min vs. 17,8 ± 5,5 min) und Aufenthaltsort (11,0 ± 4,7 min vs. 17,4 ± 5,6 min). Die Wahlreaktionszeiten waren zu allen postoperativen Mess- zeitpunkten im Vergleich zur Baseline signifikant verlängert, der Ausgangswert wurde in beiden Untersuchungs- gruppen auch nach 240 min nicht erreicht (Wilcoxon-Test, zweiseitig, p<0,02). Die Zeitwerte der Isoflurangruppe lagen zwar nach dem Eingriff deutlich höher als die der von Sevofluran, die Unterschiede erwiesen sich aber als nicht statistisch signifikant (Mann-Whitney-U-Test, p<0,05). Sowohl beim Memo-Test nach Schaaf als auch beim Zahlen- nachsprechen fanden sich keine signifikanten Differenzen zwischen beiden Gruppen. (Mann-Whitney-U-Test, p<0,05). Ebenso zeigten die visuellen Analogskalen der beiden Untersuchungsgruppen in ihrem Verlauf keine wesentlichen Unterschiede (Mann-Whitney-U-Test, p<0,05). Beide gaben in allen postoperativen Messungen einen höheren Schmerzscore im Vergleich zur Baseline an, der Parameter Angst wurde hierbei sämtlich niedriger bewertet. Der subjektiv erlebte Grad der Übelkeit erlebte in beiden Studiengruppen keine Veränderungen über die Zeit, bezüglich der empfundenen Stimmung ließ sich allgemein eine Verschlechterung zu den beiden letzten Testzeitpunkten feststellen. Einzig bei der Variablen Wachheit zeigte sich ein leichter Vorteil für die Sevoflurangruppe. Hier wurde der Ausgangswert schon nach 60 min wieder erreicht, die Isoflurangruppe benötigte hierfür 120 min. Die Ergebnisse zeigen ein deutlich schnelleres Aufwachverhalten nach Sevoflurananästhesie. Hinsichtlich der Beeinträchtigung kognitiver und psychomotorischer Funktionen fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen Isofluran und Sevofluran. Es zeigten sich in der Tendenz zwar leichte Vorteile für Sevofluran, ein statistischer Beleg hierfür bleibt weiterführenden Studien vorbehalten. Das erstmals für das volatile Anästhetikum Sevofluran angewendete Testverfahren der Wahlreaktionszeiten erwies sich als sehr sensitives Mittel zur Untersuchung der postanästhetischen psychomotorischen Leistungsfähigkeit.