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Vogel, Michael (2005): Mimikanalyse bei Patienten mit Zwangsstörung im Vergleich zu gesunden Probanden vor und nach einer Pharmako- und Psychotherapie. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

Bei vielen Patienten mit einer Zwangsstörung ist die Motorik gestört, insbesondere bestehen Auffälligkeiten der Gesichtsmotorik. Um subklinische motorische Auffälligkeiten zu untersuchen, können kinematische Analysen des Gesichtsausdrucks genutzt werden. Das Ziel dieser Arbeit war es, Gesichtsbewegungen als Reaktion auf humorvolle Filmstimuli bei Zwangspatienten zu untersuchen. Es wurden kinematische Analysen von Gesichtsbewegungen durchgeführt. Ultraschallmarker an bestimmten Punkten im Gesicht (Mundwinkel beidseits, untere Augenlieder beidseits) ermöglichten die exakte Messung von Gesichtsbewegungen, während die Probanden zwei humorvolle Kurzfilme („Mr Bean“) zu zwei Messzeitpunkten betrachteten. Es wurden 34 Patienten mit einer Zwangsstörung nach DSM-IV (19 Männer, 15 Frauen; durchschnittliches Alter (Standardabweichung): 35,8 (11,5) Jahre; durchschnittlicher Y-BOCS-Gesamtwert: 25,5 (5,9)) zu zwei Untersuchungszeitpunkten untersucht, zur Baseline frei von Psychopharmaka und zehn Wochen später nach Ablauf einer medikamentösen Therapie mit dem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Sertralin in Kombination mit einer stationären, semi-standardisierten Verhaltenstherapie. Zusätzlich wurden 34 gesunde Probanden (19 Männer, 15 Frauen; durchschnittliches Alter (Standardabweichung): 37,5 (13,1) Jahre) untersucht. Zur Baseline zeigten die Zwangspatienten eine signifikant langsamere Anfangsgeschwindigkeit beim Lachen sowie eine signifikant geringere Lachfrequenz als die gesunden Kontrollen. Es bestand eine signifikante negative Korrelation zwischen der Lachfrequenz und der Schwere der Zwangssymptome. Zehn Wochen später kam es zu einer signifikanten Zunahme der Lachfrequenz und Anfangsgeschwindigkeit des Lachens bei den Patienten. Die Ausführung adäquater unwillkürlicher (Lach-)Reaktionen auf humorvolle Stimuli ist demnach bei Zwangspatienten abnorm langsam und könnte als Ausdruck einer Hypomimie Basalganglienstörungen zur Grundlage haben. Die Empfänglichkeit auf emotionale Stimuli ist bei Zwangspatienten geringer ausgeprägt als bei gesunden Probanden. Dieses Phänomen ist eng korreliert mit Zwangssymptomen und ist abhängig vom Gesundheitszustand.