Logo
DeutschClear Cookie - decide language by browser settings
Becker, Susanne Isabel (2003): Leukaemia Incidence in Children and Adults in the Regions of Russia Most Highly Contaminated after the Chernobyl Nuclear Power Plant Accident. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
[img]
Preview
PDF
Becker_Susanne_I.pdf

1495Kb

Abstract

ABSTRACT BACKGROUND Leukaemia, especially the acute types predominant in children, may be caused by ionizing radiation. After the Chernobyl Nuclear Power Plant accident on 26 April 1986, parts of Belarus, Russia and the Ukraine were contaminated with radionuclides. To date, over 270 000 people live in such contaminated regions in Russia. This study investigates whether the leukaemia incidence rates in these regions might have increased due to the radiation. MATERIALS & METHODS A prospective population-based cohort study with a control group was carried out. Cases of leukaemia previously not registered were actively sought for in medical and administrative institutions. Each case that had occurred in the study regions between 1980 and 1998 has been ascertained and verified. A descriptive analysis was then performed on the resulting data base which included 333 leukaemia cases. RESULTS There is a slight secular trend in the standardized incidence rates both in the highly contaminated and in the control regions. This increase, however, is more marked in the control regions. The incidence rates in children (0-14) in the highly contaminated regions decrease between the pre-accident (1980 to 1986) and the first post-accident period (1987-1992) and show a slight increase towards the second post-accident period (1993-1998), whereas the incidence rates in the control regions show exactly the opposite dynamic. This makes a connection between the dynamics of the incidence rates and the radiological situation highly improbable. The comparative analysis of the leukaemia incidence rates has not revealed a statistically significant difference between the population of the highly contaminated regions of the Bryansk oblast and the combined control regions of the Kaluga oblast. CONCLUSIONS There is so far no indication of an increase in leukaemia incidence rates in the general population, neither for children nor for adults. This does not contradict the current radiobiological knowledge that cancer, especially leukaemia, can be caused by ionizing radiation. The number of expected radiation-induced cases based on the risk estimates from the Japanese cohort lies within the 95% confidence limits of the spontaneous incidence rates. It would therefore, if at all present, not be statistically detectable in a population of 222 000 with a spontaneous rate of 5.4/100 000 in men and 3.3/100 000 in women in the control regions. Considering the latency periods and the age-dependent risk-curve of radiation-induced cancers, it is highly unlikely that a radiation-related increase in leukaemia or solid tumour incidence rates will become obvious in the future. The fear and apprehension caused by the overestimation of the radiation risks create a continuous stress situation and add to the present detrimental health conditions in the population. It is therefore of utmost importance to communicate not only the results but also the reliability of the study and the soundness of the data to the affected people.

Abstract

ZUSAMMENFASSUNG HINTERGRUND Leukämien, insbesondere die akuten Formen, die im Kindesalter vorherrschen, können durch radioaktive Strahlung induziert werden. Durch den Unfall in Tschernobyl am 26. April 1986 sind Teile von Belarus, Russland und der Ukraine radioaktiv kontaminiert worden. Bis heute leben in Russland über 270.000 Menschen in solchen kontaminierten Gebieten. Die vorliegende Studie untersucht, ob die Leukämieinzidenzen in diesen Gebieten aufgrund der radioaktiven Strahlung angestiegen sind. MATERIAL & METHODEN Zu diesem Zweck wurde eine bevölkerungsbezogene, prospektive Kohortenstudie mit einer Kontrollgruppe durchgeführt. Jeder Leukämiefall der Jahre 1980-1998 aus den Studienregionen wurde genau nacherhoben und verifiziert. Zudem wurde aktiv in Krankenhäusern und Behörden nach nicht erhobenen Fällen gesucht. Die 333 Leukämiefälle, die sich letztendlich in der Datenbank befanden, wurden deskriptiv analysiert. ERGEBNISSE Die standardisierten Inzidenzen zeigen über die Jahre einen leicht ansteigenden Trend, sowohl in den kontaminierten als auch in den Kontrollregionen. Dieser Anstieg ist ausgeprägter in den Kontrollregionen. Die Inzidenzen bei Kindern (0-14 Jahre) fallen in den kontaminierten Regionen zwischen der Periode 1980-86 und der Periode 1987-1992 ab und steigen dann in der Periode 1993-98 wieder leicht an, wohingegen die Inzidenzen in den Kontrollregionen genau die umgekehrte Dynamik zeigen. Dies macht einen Zusammenhang mit der radioaktiven Strahlung höchst unwahrscheinlich. Die vergleichende Analyse zeigt keinen statistisch signifikanten Unterschied in den Inzidenzen zwischen den kontaminierten Regionen und den Kontrollregionen. SCHLUSSFOLGERUNGEN Es gibt keinen Hinweis auf einen Anstieg der Leukämieraten in der Allgemeinbevölkerung, weder bei Kindern noch bei Erwachsenen. Dies widerspricht nicht der strahlenbiologischen Erkenntnis, dass Tumoren, insbesondere Leukämien, durch radioaktive Strahlung induziert werden können. Die mittels der Risikokoeffizienten aus den japanischen Studien errechnete Anzahl der strahleninduzierten Leukämiefälle liegt innerhalb der 95% Konfidenzintervalle der jährlichen Fluktuation der Spontanraten. Solch induzierte Fälle wären daher – falls vorhanden – bei einer exponierten Bevölkerung von ca. 222.000 und einer in den Kontroll-regionen beobachteten Spontanrate von 5,4/100.000 (Männer) bzw. 3,3/100.000 (Frauen) statistisch nicht nachweisbar. Bedenkt man die Latenzzeiten und die altersabhängige Risikostruktur strahleninduzierter Tumore, ist ein Anstieg sowohl der Leukämieraten als auch der Raten solider Tumore aufgrund des Reaktorunfalls in Tschernobyl in der Zukunft extrem unwahrscheinlich. Die Ängste und Befürchtungen, die durch die Überschätzung der Risiken durch die radioaktive Strahlung entstanden sind, haben zu einer persistierenden Stresssituation für die Betroffenen geführt. Dieser Stress wirkt sich zusätzlich zu den aktuellen ökonomischen und sozialen Faktoren negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. Es ist daher wichtig, den Betroffenen nicht nur die Ergebnisse der vorliegenden Studie, sondern insbesondere auch die Qualität der zugrunde liegenden Daten glaubwürdig zu vermitteln.