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Gaiser, Carolin (2003): Das Potential und Design von Universaltheorien. Dissertation, LMU München: Faculty for Languages and Literatures
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Abstract

This thesis deals with the design and the potential of Universal Theories in a context of continually increasing complexity and differentiation. Univeral Theories make assertions about all kinds of phenomena without claiming exclusivity. The significance of Universal Theories derives from their use as integrative metatheories, interdisciplinary frameworks for knowledge and theory. The initial emphasis is on the analysis of the design of Niklas Luhmann's System Theory. The influence of the claim to universality on the design and content of the theory is investigated, as well as the extent to which this is achieved. The next section deals with one of the most important research areas of the last decades: the investigation of hypercomplex structures as in evolution or chaos theory. These hypercomplex structures have the breadth and scope necessary to model the whole range of interactive processes represented by Universal Theories. In a continuation of Luhmann's approach to a Universal Theory, the Iteration Theory is extended with unlimited scope, interdisciplinary applicability and self-referential reflection. The aim of the proposed theory is to apply a heterarchic and coherence-theoretical framework to describe hyper complex structures in the form of networks of repeated partial processes. The self-referential reflection of theory as theory is discussed against the background of philosophy and neurobiology. The idea of a Universal Theory represents a paradigm change from hierarchical structures to heterarchic and coherence-theoretical networks, with greater descriptive power for the increasing complexity of the world and human knowledge. The consequences of Universal Theory for science and society are investigated here.

Abstract

Die Dissertation thematisiert das Theoriedesign und das Potential von Universaltheorien in einer durch Ausdifferenzierung zunehmend komplexer werdenden Wissens- und Theorielandschaft. Gemäß der Definition dieser Arbeit erheben Universaltheorien den Anspruch, über alle Phänomenbereiche der Welt Aussagen machen zu können, ohne deshalb einen Alleinvertretungsanspruch zu erheben. Die Bedeutung des Konzepts der Universaltheorie als integrativer Metatheorie, welche einen interdisziplinären Rahmen für Wissen und Theorie bietet, wird folgendermaßen entwickelt. Zunächst steht die Analyse des Theoriedesigns der Systemtheorie von Niklas Luhmann im Mittelpunkt. Dabei wird die Frage nach den Implikationen des Theoriedesigns bezüglich der Ausrichtung der Systemtheorie als Universaltheorie gestellt und im Anschluß die Realisation dieses Vorhabens kritisch hinterfragt. Anhand der Systemtheorie werden zentrale Theorieelemente für das Theoriedesign von Universaltheorien herausgearbeitet. Im Anschluß daran behandelt die Arbeit eines der wichtigsten Forschungsgebiete der letzten Jahrzehnte: die Erforschung hyperkomplexer Strukturen. Dieses Themengebiet ist für das Konzept der Universaltheorie relevant, da Modelle für die Funktionsweise von hyperkomplexen Prozessen, wie z. B. in der Evolutions- oder der Chaosforschung, als ganzheitliche Erklärungsansätze fungieren und es ermöglichen, nicht nur partielle Phänomenbereiche zu erklären, sondern Wechselwirkungen in umfassenden Prozessen zu erforschen. In einem weiteren Arbeitsschritt wird, in Luhmannscher Tradition, das Vorhaben, eine Universaltheorie mit unbeschränktem Objektbereich, interdisziplinärer Anschlußfähigkeit und selbstreferentieller Reflexion zu entwerfen, erneut in Angriff genommen. Angestrebt wird eine Ausarbeitung des Universal-theoriekonzepts innerhalb einer heterarchisch und kohärenztheoretisch organisierten Theoriearchitektur. Dabei wird im Rahmen der resultieren Iterationstheorie eine Theorie für die Beschreibung von hyperkomplexen Strukturen in Form von Netzwerken wiederholter Teilprozesse entwickelt. In diesem Kontext wird die Frage nach der Selbstreflexion der Theorie als Theorie anhand philosophischer, aber auch neuro-biologischer Theorien der Erkenntnis behandelt. Das Konzept der Universaltheorie eröffnet aufgrund des Paradigmenwechsel von hierarchischer Theorieorganisation zu kohärenztheoretischen und heterarchischen Theorienetzwerken neue Beschreibungsmöglichkeiten für die anwachsende Welt- und Wissenskomplexität. Das Ziel der Arbeit besteht in der Diskussion und Entwicklung des Konzepts der Universaltheorie, insbesondere bezüglich des Theoriedesigns von Universaltheorien, sowie ferner in einer Abschätzung der möglichen Auswirkungen auf Gesellschaft und Wissenschaft.