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Muth, Mareike (2011): Beziehungen zwischen peripartal gemessenen Fettsäurekonzentrationen im Blut und postpartalen Gebärmuttererkrankungen bei Milchkühen. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

Ziel der vorliegenden Studie war die quantitative und qualitative Bestimmung der Gesamtfettsäuren in bovinen Serumproben sowie die Darstellung der Konzentrationsverläufe der einzelnen Fettsäuren während des peripartalen Zeitraums. Des Weiteren sollte festgestellt werden, ob zwischen Kühen, die postpartal an einer Gebärmutterentzündung erkranken, und gesunden Tieren Unterschiede in den Konzentrationen einzelner Fettsäuren bzw. Fettsäuregruppen vorliegen. Die in dieser Studie verwendeten Serumproben stammen von 50 Kühen eines Milcherzeugerbetriebes in Brandenburg. Von den ausgewählten Tieren zeigten 25 Tiere während des Untersuchungszeitraums Symptome einer klinischen Gebärmutterentzündung (puerperale Metritis, klinische Metritis, klinische Endometritis oder Pyometra) und wurden demnach als uteruskrank eingestuft. Die anderen 25 Tiere wiesen keine gesundheitlichen Störungen auf und wurden als uterusgesund eingestuft. Von jedem Tier wurden während des Zeitraums 17 Tage vor bis 28 Tage nach der Kalbung sechs bzw. sieben Serumproben gewonnen. Für die quantitative und qualitative Analyse der Gesamtfettsäuren in den Serumproben wurden die Fettsäuren zu Fettsäuremethylestern (FAME) derivatisiert. Die Probenanalyse wurde mit einem Gaschromatographie/Massenspektrometrie-System (GC/MS-System) durchgeführt. Außerdem wurden die Konzentrationen der freien Fettsäuren (NEFA) in den Serumproben mittels Enzym-Test bestimmt. Sowohl vor wie auch nach der Kalbung konnten bei verschiedenen Fettsäuren Konzentrationsunterschiede zwischen uterusgesunden und uteruskranken Tieren festgestellt werden. Die Konzentrationen der gesättigten Fettsäuren Octadecansäure (C18:0) und Tetradecansäure (C14:0) zeigten in beiden Tiergruppen nach der Kalbung einen leichten Anstieg, wobei die Werte der gesunden Kühe ab dem elften Tag p.p. signifikant höher lagen als bei erkrankten Kühen (P<0,05). Die Konzentrationen der Hexadecansäure (C16:0) hingegen waren kurz nach der Kalbung bei uteruskranken Tieren höher als bei uterusgesunden Tieren (P<0,05). Die Konzentration der ungesättigten Fettsäure Octadecaensäure (C18:1n9) lag bei uteruskranken Tieren im Vergleich zu gesunden Tieren zwischen dem ersten und vierten Tag p.p. signifikant höher (P<0,05). Postpartal traten bei gesunden Kühen signifikant höhere Konzentrationen der Octadecadiensäuren(C18:2n6) und der Octadecatriensäure (C18:3n3) auf als bei an Gebärmutterentzündung erkrankten Tieren (P<0,05). Die Konzentrationen der Gesamtfettsäuren stiegen nach der Kalbung in beiden Tiergruppen an und lagen bei gesunden Kühen ab dem 21. p.p. Tag signifikant höher (P<0,05). Die freien Fettsäuren (NEFA) zeigten in beiden Tiergruppen unmittelbar nach der Kalbung einen vorübergehenden Anstieg. Dabei lagen die Werte der uteruskranken Tiere während des gesamten Untersuchungszeitraums deutlich über denen der uterusgesunden, bis zum elften Tag p.p. war der Unterschied signifikant (P<0,05). Bei der Analyse der Fettsäuregruppen konnte über den gesamten Untersuchungszeitraum in beiden Tiergruppen eine stetige Abnahme der Anteile der gesättigten Fettsäuren (SFA) festgestellt werden. Die Anteile der einfach ungesättigten Fettsäuren (MUFA) stiegen in beiden Tiergruppen im Untersuchungszeitraum vorübergehend an, die Anteile der mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA) nahmen bei uterusgesunden wie uteruskranken Tieren vorübergehend ab. Während des gesamten Untersuchungszeitraums traten bei uterusgesunden Kühen im Vergleich zu uteruskranken Kühen signifikant höhere Anteile der MUFA auf (P<0,05). Die Anteile der PUFA hingegen lagen zu fast allen Untersuchungszeiten bei uterusgesunden Tieren signifikant höher als bei den uteruskranken Tieren (P<0,05). Zur Kalbung hin nahm der Anteil der Omega-3-Fettsäuren in beiden Tiergruppen ab, anschließend stieg er vor allem bei den gesunden Tiere an und lag zum Ende des Untersuchungszeitraums signifikant über denen der erkrankten Tiere (P<0,05). Der Anteil der Omega-6-Fettsäuren stieg in beiden Tiergruppen nach der Kalbung an und lag während des gesamten Untersuchungszeitraums bei den uterusgesunden Tieren höher als bei den uteruskranken Tieren. Signifikante Unterschiede zwischen den Fettsäurekonzentrationen beider Tiergruppen traten zu den Untersuchungszeiten -2, 4 und 11 auf (P<0,05). Die Anteile der Omega-9-Fettsäuren wiesen in beiden Gruppen einen vorübergehenden Anstieg auf, dabei lagen die Anteile der erkrankten Tiere stets über denen der gesunden (P<0,05). Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass sich die Konzentrationen und die Zusammensetzung der Fettsäuren im Blut bei Tieren, die im Verlauf des Puerperiums an Gebärmutterentzündungen erkranken, von Tieren, die nicht erkranken, schon im unmittelbaren peripartalen Zeitraum unterscheiden. Es ist anzunehmen, dass funktionelle Zusammenhänge zwischen einzelnen Fettsäurekonzentrationen sowie dem Immun- und Reproduktionssystem bestehen und dass Veränderungen der Fettsäurekonzentrationen einen Einfluss auf das Immunsystem und die Reproduktionsorgane haben.