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Wagner, Philipp (2011): Quantitative Analyse der Kopfversion im epileptischen Anfall zur Frage der Lateralisation des Anfallsursprungs bei Frontallappenepilepsie im Vergleich zur Temporallappenepilepsie. Dissertation, LMU München: Faculty of Medicine
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Abstract

In der vorliegenden Studie wurde eine neue Methode zur Quantifizierung der Bewegungen im epileptischen Anfall entwickelt und auf die Kopfwendung im epileptischen Anfall angewendet. Hierfür wurden Algorithmen entwickelt, um Kopfwendungen in epileptischen Anfällen zu untersuchen, die mit der in den meisten Epilepsie- Monitoring- Einheiten genutzten 2D-Video-Technik aufgezeichnet werden. Die Kopfwendungen wurden nach der Bewegungsrichtung im Hinblick auf die Hemisphäre des Anfallsursprungs in ipsi- und kontralaterale Bewegungen unterteilt. Es wurde das Auftreten der Kopfwendung nach klinischem Anfallsbeginn, die Dauer und die Winkelgeschwindigkeit der ipsi- und kontralateralen Kopfwendung analysiert. Es wurden Videos von insgesamt 45 epileptischen Anfällen untersucht, die mittels EEG und Video simultan aufgezeichnet worden waren. Die Anfallsvideos stammten von 16 FLE- Patienten (22 Anfälle) und 18 TLE- Patienten (23 Anfälle) aus einem Kollektiv von 536 Patienten. Es wurden alle Patienten mit FLE und TLE in diese Studie aufgenommen, bei denen spontane Kopfwendungen im Anfall aufgezeichnet werden konnten und deren Körperposition zur Kamera die Einschränkungen der zweidimensionalen Analysemethode minimierte. Allerdings konnten deswegen viele Anfallsvideos nicht eingeschlossen werden. Die Kopfwendungen wurden untersucht, indem man die Bewegung der Nase im Verhältnis zu einem definierten Punkt auf dem Rumpf des Patienten untersuchte. Eine Kopfbewegung als Reaktion auf äußere Reize wurde ausgeschlossen. FLE und TLE wurden auf Basis von Bildgebung (MRT, PET, iktales SPECT) sowie interiktalem und iktalem EEG diagnostiziert. Ipsi- und kontralaterale Kopfwendungen wurden durch die Seite der iktalen EEG- Anfallsmuster definiert. Die Analyse erbrachte folgende statistisch signifikanten Unterschiede zwischen FLE und TLE: Die kontralaterale Kopfwendung tritt nach dem klinischen Anfallsbeginn bei der FLE (5s, SD +/- 7,4s) signifikant früher auf als bei der TLE (20s, SD +/- 16,3s) (p<0,001) und dauert bei der FLE (4s, SD +/- 2.3s) signifikant kürzer als bei der TLE (7s, SD +/- 3.1s) (p < 0.01). Das Auftreten der ipsilateralen Bewegung (FLE: 2s, SD +/- 5.8s. TLE: 3.5s, SD +/- 14.2s) (p = 0.634), die Winkelgeschwindigkeit der ipsilateralen Bewegung (FLE: 10.3°/s, SD +/- 11.5°/s. TLE: 7.9°/s, SD +/- 8.3°/s) (p = 0.639) und die Winkelgeschwindigkeit der kontralateralen Bewegung (FLE: 11.8°/s, SD +/- 9.1°/s. TLE: 9.9°/s, SD +/- 6.6°/s) (p = 0.617) zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen FLE und TLE. Für den Fall, dass eine ipsilaterale Kopfwendung stattfand (TLE: 48% der Anfälle, 50% der Patienten. FLE: 27% der Anfälle, 25% der Patienten), ging sie der kontralateralen Kopfwendung immer voraus. Wir folgern aus unseren Ergebnissen, dass die quantitative Analyse der Kopfwendung im epileptischen Anfall wertvolle Informationen über die Lateralisation und Lokalisation der Anfallsurspungszone bei FLE und TLE liefert. Die quantitative Bewegungsanalyse trägt somit zur Unterscheidung zwischen den häufigsten epilepsiechirurgisch behandelten Epilepsiesyndromen bei und kann in der prächirurgischen Evaluation dieser Patienten hilfreich sein.