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Neubeck, Knut (2009): Evaluierung des Rehabilitationserfolges von Mäusebussard (Buteo buteo) und Habicht (Accipiter gentilis) mittels Radiotelemetrie und Ringfunden. Dissertation, LMU München: Faculty of Veterinary Medicine
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Abstract

In der vorliegenden Studie wurde erstmals in Deutschland die Reintegration in die Wildpopulation von verunfallt in eine Vogelklinik eingelieferten Mäusebussarden (Buteo buteo) und Habichten (Accipiter gentilis) nach medizinischer Wiederher-stellung und Rehabilitation (Freilassung in die freie Wildbahn) überprüft. Zehn Mäusebussarde und drei Habichte wurden mit Hilfe von Sendern, welche an den Schwanzfedern befestigt wurden, über einen Zeitraum von 2 bis 194 Tagen nachverfolgt. Vier Mäusebussarde und ein Habicht konnten über einen Zeitraum von sechs Wochen beobachtet werden. Zwölf Greifvögel waren vor ihrer Einlieferung be-reits in der Lage selbständig zu jagen. Rehabilitiert wurden in allen Fällen lediglich Greifvögel, welche auf Grund der medizinischen Untersuchung und Behandlung als „rehabilitierbar“ beurteilt wurden. Die Verhaltensweisen wurden anhand s. g. Trackogramme (Aufzeichnen und Darstel-len von Bewegungsmustern) ausgewertet und für die ersten 10 Beobachtungstage eine Habitatpräferenzanalyse durchgeführt. Zusätzlich wurden Beringungsdaten der Vogelwarte Radolfzell zu beiden Greifvogelarten statistisch ausgewertet. Bei den Mäusebussarden wurden von „Wildvögel“ (n= 75) und „Manipul“ (n=20) rehabilitierten Vögeln die Ortsbewegung und Sterblichkeitsverhältnisse mit dem Wilcoxon Rang-summentest verglichen. Die Mäusebussarde entwickelten nach der Freilassung innerhalb von ca. vier Tagen ihre Ausdauer ausreichend, um der Individualerhaltung zu genügen. Eine Gewöh-nung an anthropogene Strukturen wie Verkehrswege oder Siedlungen konnte nicht beobachtet werden. Jedoch wurden diese Habitate während der Zugperiode stärker präferiert. Auch schienen die verunfallten und rehabilitierten Mäusebussarde größ-tenteils aus einer wandernden Mäusebussardpopulation zu entstammen. Sieben Mäusebussarde wurden auf Grund der Migration nicht mehr verfolgt. Zwei wurden über eine Distanz von über 100 km vom Freilassungsort verfolgt. Fünf weitere konnten in einer Entfernung von über 50 km vom Freilassungsort nicht mehr wiedergefunden werden. Bei den Ringfunden konnte zwischen den beiden Gruppen kein Unterschied in Hinblick auf die Lokomotion, aber eine höhere Sterblichkeit bei den rehabilitierten Bussarden festgestellt werden. Ein Habicht starb am 11. Tag nach der Freilassung durch einen Raubsäuger. Hier wurde postmortal in vielen Organen eine Prävalenz von Sarkosporidien festgestellt, welche klinisch vor der Rehabilitation nicht erfasst werden konnten. Jedoch er-beuteten alle Habichte erst ab dem sechsten Tag ihre erste Beute. Hieraus wird geschlussfolgert, dass die Habichte nach der Entlassung in die freie Wildbahn nicht genügend Spitzenleistung für eine erfolgreiche Jagd besaßen. Dies hebt die Be-deutung eines Trainings unter kontrollierten Bedingungen analog zu falknerischen Verfahren nach medizinischer Wiederherstellung und Vorrehabilitation in die freie Wildbahn hervor. Eine Brut musste kurz vor dem Schlupf der Jungen aufgegeben werden, da der zum Paar gehörige Terzel (Männchen) offenbar verunfallt war. Für beide Greifvogelarten zeigt sich, dass sie nach medizinischer Wiederherstellung gute Chancen hatten in freier Wildbahn zu überleben und hierbei auch eine Reinteg-ration in die bestehende Population inkl. Fortpflanzung gegeben war.