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Straehle, Gerhard (2008): Der Naumburger Meister in der deutschen Kunstgeschichte: Einhundert Jahre deutsche Kunstgeschichtsschreibung 1886-1989. Dissertation, LMU München: Faculty of History and the Arts
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Abstract

Die Dissertation 'Der Naumburger Meister in der deutschen Kunstgeschichte' verfolgt zwei Ziele: a) sie will ein Porträt der deutschen Kunstgeschichtsforschung der Jahre 1886 bis 1989 anhand einiger ihrer wichtigsten Vertreter vermitteln und b) eine schlüssige Erklärung des berühmten Naumburger Stifterzyklus liefern, indem sie bisher nicht berücksichtigte Dokumente zur Naumburger Bistumsgeschichte erstmals auswertet. Die Studie weiß sich den thematisch ähnlich gelagerten Arbeiten von Willibald Sauerländer (1979) und Kathryn Brush (1993) kritisch verpflichtet, weicht aber im Ergebnis in vielen Punkten von diesen früheren Versuchen, eine Geschichte der Naumburg-Forschung zu schreiben, ab. Das von Willibald Sauerländer gezeichnete Bild einer bis zum Ende des 2. Weltkrieges mit wenigen Ausnahmen national oder nationalistisch geprägten deutschen Kunstgeschichtsschreibung wird in dieser Einseitigkeit nicht bestätigt. Auch methodisch stellt sich die vorliegende Arbeit dem von Sauerländer programmatisch vorgetragenen Verdikt gegen eine subjektive ‚nahsichtige’ Beschreibung („Pygmalionismus“) als angeblich für nationalistische Ideologien besonders anfällige Form kunsthistorischer Beschäftigung entgegen. Die Studie kann vielmehr an vielen konkreten Einzelbeispielen aufzeigen, dass das Gegenteil zutrifft: dass eine ideologische Vereinnahmung von Kunstwerken mit einer nahsichtigen Beschreibung in letzter Konsequenz unvereinbar ist. Zu den positiven Resultaten der Studie rechnet der Verfasser neben vielen kritischen Einzelergebnissen eine neue Deutung des Naumburger Stifterzyklus, welche auf einer Auswertung bisher nicht berücksichtigter Dokumente zur Geschichte des Naumburger Bistums gründet und eine These von Friedrich Möbius bestätigt: dass der Westchor des Naumburger Doms - der Ort der Aufstellung dieser Figuren - von Bischof Engelhard als Synodalchor geplant war und dass diese Planung auch noch dem ausgeführten Westchor mit seinem Figurenzyklus zugrunde liegt. Die vorliegende Studie zeigt anhand der neu ausgewerteten Quellen, wie dieses Synodalchorkonzept durch Intervention des Markgrafen Heinrich des Erlauchten mit der Durchsetzung von dessen Bruder Dietrich als Nachfolger Engelhards eine Veränderung erfuhr. Der Bruder des Markgrafen verwirklichte als neuer Bischof in den 1240er Jahren das veränderte Synodalchorkonzept mit dem Figurenzyklus unter eigenkirchenrechtlichen Vorstellungen und mit Verweis auf die Frühzeit des Bistums in einer Weise, in der die Suprematie des Markgrafen - gestaltet durch die Hand eines genialen Bildhauers und seiner Werkstatt - in der Versammlung einer Adelsgesellschaft von elf Stiftern und einem ‚Occisus’ zum Ausdruck kommt.